Kurz nach 17 Uhr war bei der Polizei gemeldet worden, der Fahrer eines schwarzen Kombis habe im Wohngebiet Wachtelau Kinder angesprochen und versucht, sie in sein Fahrzeug zu locken. Noch während Einsatzkräfte des Polizeirevier Sigmaringen der Sache nachgingen, kursierten in sozialen Medien bereits Bilder des Mannes und seines Fahrzeugs, inklusive Kennzeichen, verbunden mit eindringlichen Warnungen. Die Beiträge verbreiteten sich innerhalb kürzester Zeit. Beim Polizeirevier gingen zahlreiche besorgte Anrufe ein.
Die Ermittlungen ergaben jedoch schnell ein anderes Bild: Der Fahrer des schwarzen Kombis war nach Polizeiangaben im Stadtgebiet unterwegs, um eine bestimmte Adresse für einen privaten Kauf zu finden. Da er die Hausnummer nicht entdecken konnte, sprach er im Bereich eines Spielplatzes eine Frau an, die mit einem Kind unterwegs war. Sie zeigte ihm das gesuchte Haus.
Sowohl die Frau als auch ein weiterer Zeuge bestätigten, dass der Mann anschließend dorthin fuhr und den Kauf wie geplant tätigte. Hinweise darauf, dass er Kinder angesprochen oder gar angelockt habe, konnten nicht festgestellt werden.
Durch die Veröffentlichung der Bilder und die Warnmeldungen im Internet geriet der Mann dennoch massiv in Misskredit. Die Polizei prüft nun die Einleitung von Strafverfahren wegen übler Nachrede. Die unkontrollierte Verbreitung persönlicher Daten und Fotos könne erhebliche rufschädigende Folgen haben, so die Ermittler.