So viele Überstunden schiebt Ulm

Kritik an den Arbeitszeit-Plänen der Regierung

3,7 Millionen Überstunden - das haben die Ulmer im vergangenen Jahr angeschafft. Mehr als die Hälfte davon zum Nulltarif.

In Ulm haben Beschäftigte im letzten Jahr rund 3,7 Millionen Überstunden geleistet, davon etwa 2 Millionen ohne Bezahlung. Besonders betroffen ist die Gastronomiebranche, wo über 50 Prozent aller Überstunden unbezahlt sind, wie der „Arbeitszeit-Monitor“ des Pestel-Instituts zeigt. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt vor geplanten Änderungen der Bundesregierung am Arbeitszeitgesetz, die eine Abschaffung des 8-Stunden-Tages vorsehen könnten und so noch mehr unbezahlte Mehrarbeit ermöglichen würden.

Doppelte Wochenstunden möglich

Michael Gutmann von der NGG Ulm-Aalen-Göppingen kritisiert diese Pläne scharf: „Dann würde nämlich nur noch das europäische Recht ein Wochen-Limit für die Arbeitszeit setzen. Und das wäre brutal: Arbeitgeber könnten ihre Beschäftigten dann sogar zu 73,5-Stunden-Wochen verdonnern – nämlich zu sechs Tagen à 12 Stunden und 15 Minuten im Job. Das wäre fast das doppelte Wochen-Pensum von heute – und damit Arbeitszeit-Stretching pur“. Gutmann sieht dadurch die Gefahr, dass Arbeitnehmer weit über ihre Grenzen hinaus belastet werden und kaum noch Zeit für Erholung, Familie oder die Betreuung von Angehörigen bleibt.

Auswirkungen auf die Arbeitnehmer

Die Arbeit würde außerdem die Gesundheit der Beschäftigten stark belasten. „Nach acht Stunden Arbeitszeit steigt die Gefahr von Arbeitsunfällen rasant an. XXL-Arbeitstage bedeuten auf Dauer eine Belastung für den Körper und für die Psyche: von Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen bis zum Burnout“, so Gutmann.

Der Geschäftsführer der NGG in der Region fordert außerdem, Frauen intensiver in den Arbeitsmarkt zu integrieren und flexible Arbeitszeiten im Einklang mit Tarifverträgen beizubehalten. Denn aktuell werden nach Angaben der Arbeitsagentur 62 Prozent aller Teilzeit-Jobs in Ulm von Frauen gemacht. Am Fachkräftemangel würden die 10- oder 12-Stunden-Tage auch nichts bewerkstelligen. Das sei für Gutmann nur Löcherstopfen bei einer zu dünnen Personaldecke.

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