Stadt Biberach erweitert Grundwasserreinigung an der Altlast „Lehmgrube“

Daueraufgabe im Gewerbegebiet

Die Stadt Biberach geht gegen Schadstoffe im Grundwasser vor. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, die Grundwasserreinigung im Bereich der Altlast „Lehmgrube“ zu erweitern.

Die Schadstoffe aus der ehemaligen Deponie sollen weiter eingedämmt werden. Die Umsetzung soll in den kommenden zwei Jahren erfolgen.

Historie einer Lehmgrube

Die Altlast „Lehmgrube“ liegt im Gewerbegebiet zwischen Mittelbiberach und Biberach. Zuständig für Unterhalt und Betrieb ist die Stadt Biberach. Auf dem Gelände wurde früher Lehm für eine angrenzende Ziegelei abgebaut. Zwischen 1968 und 1975 wurde die Grube als Deponie genutzt. Dort wurden unter anderem Erdaushub, Bauschutt, Haus- und Sperrmüll sowie Gewerbe- und Industrieabfälle entsorgt. Nach Angaben der Stadt handelt es sich um ein Abfallvolumen von rund 220.000 Kubikmetern.

Anfang der 1990er-Jahre wurde festgestellt, dass Arzneimittelrückstände und chlorierte Kohlenwasserstoffe aus der Deponie ins Grundwasser gelangen. Daraufhin wurden eine Grundwasserreinigungsanlage und eine Oberflächenabdichtung angeordnet. Seit 1999 wird belastetes Grundwasser über zwei Brunnen abgepumpt und gereinigt. Ende der 2010er Jahre wurden Tonnen an Müll umgelagert. Die Hoffnung, dass die Altlast dadurch vollständig austrocknet, hat sich allerdings nicht erfüllt.

Stand heute

Die bisherigen Maßnahmen zeigen nach Angaben der Stadt dennoch Wirkung. Seit Beginn der Grundwasserreinigung im Jahr 1999 sei die Belastung durch Arzneimittel um 95,5 Prozent zurückgegangen. Die Belastung durch chlorierte Kohlenwasserstoffe sei um 98,8 Prozent gesunken.

Trotzdem gelangen offenbar weiterhin Arzneimittelrückstände über Sickerwasser ins Grundwasser. Untersuchungen aus dem Jahr 2023 zeigen laut Stadt, dass der Grundwasserstrom von den beiden bestehenden Brunnen nicht vollständig erfasst wird. Besonders relevant ist das mit Blick auf das Wolfental. Dort befindet sich eine der beiden wichtigsten Trinkwasserfassungen der e.wa riss. Zwei Quellen werden dort aus Vorsorgegründen derzeit nicht genutzt, obwohl die Restschadstoffbelastung nur noch sehr gering sei. Ziel der erweiterten Reinigung ist es, diese Quellen mittelfristig wieder nutzen zu können.

Zwei Möglichkeiten

Für die Erweiterung wurden verschiedene Möglichkeiten geprüft. Als günstigste und zugleich wirksame Lösung gelten zwei zusätzliche Brunnen. Die Kosten dafür liegen bei rund 485.000 Euro. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten von etwa 150.000 Euro. Das sind rund 30.000 Euro mehr als bisher. Etwa 45 Prozent der Kosten übernimmt das Land.

Andere Varianten wären deutlich teurer. Eine hydraulische Abdichtung mit einer Dichtwand bis zur Sohle der ehemaligen Deponie würde nach Angaben der Verwaltung acht bis neun Millionen Euro kosten. Eine vollständige Entsorgung der bis zu 240.000 Kubikmeter umfassenden Altlast würde mit 45 bis 50 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Die Dichtwand soll als Plan B aber weiter ausgearbeitet werden, falls die Betriebs- und Anlagenkosten der Grundwasserreinigung deutlich steigen.

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