Albrecht Ludwig Berblinger arbeitet als Schneider im schönen Ulm um den Jahreswechsel von 1700/1800, ist also echt eine ganze Weile her. Er schneidert aber nicht nur, nein, er ist auch ein echter Erfinder. So arbeitet er an einer ersten Beinprothese, seiner sogenannten Fußmaschine. Aber noch spektakulärer: Er träumt vom Fliegen und entwickelt den wohl ersten bekannten Hängegleiter. Den probiert er am Michelsberg auch aus, und – es funktioniert!
Wortwörtlich beflügelt soll er damit einen Flug über die Donau demonstrieren – nicht nur vor den Augen der Ulmer, sondern auch vor dem Königshaus. Und – Achtung jetzt wird gespoilert: Damals noch soweit unbekannte Fallwinde über der Donau werden ihm zum Verhängnis, er landet direkt im Wasser und – wird zum Gespött der Leute. Seinen Traum vom Fliegen gibt er aber nie ganz auf.
Geehrt wird er aber, wie so viele, erst lange nachdem er verarmt und sozial geächtet stirbt. Heute gilt er als Pionier. Albrecht Ludwig Berblinger ist Namensgeber eines renommierten Wissenschaftspreises, eine Ulmer Straßenbahn, mehrere Straßen und Schulen in Ulm und Umgebung tragen seinen Namen. 2020 wird zum 250. Geburtstag des Flugpioniers am Ulmer Donauufer der 20 Meter hohe Berblinger-Turm eröffnet, der genau an der Stelle seines historischen Flugversuchs steht.
Und Fun Fact zum Schluss: Erst bei den Dreharbeiten zum Spielfilm von 1978, als der Schneider am Michelsberg das Fliegen ausprobiert, wurde faktisch nachgewiesen, dass sein Apparat auch wirklich fliegen kann. Der Film ist übrigens von der deutschen Regie-Legende Edgar Reitz, die Hauptrolle spielt der große Tilo Prückner, neben ihm eine junge Hannelore Elsner. Gedreht wurde hauptsächlich in der damaligen Tschechoslowakei, denn das Ulm von heute sieht ja jetzt nicht mehr ganz so aus, wie vor 200 Jahren.
„Der Schneider von Ulm“ ist jetzt als kompletter Film mit seinen knapp zwei Stunden Laufzeit auf dem YouTube-Kanal des Verleihs Studiocanal Germany zu sehen. Es lohnt sich!