Ulm: "70 + eins" - Das THW feiert

Jubiläum

Der Ortsverband Ulm des Technischen Hilfswerk (THW) gehört zu den bundesweit zehn ältesten Gruppierungen und besteht nun seit 71 Jahren. Mit der krummen Zahl wurde am Samstag groß gefeiert.

Wie viel die 123 Ulmer THW-Helfer leisten, stand im Mittelpunkt der Reden zum Jubiläum. Und immer wieder klang an, unter welchen Bedingungen ehrenamtlich und engagiert gearbeitet wird. Alleine schon das Jubiläum "70+1" ist unter anderem der Corona-Pandemie geschuldet, die vernünftige Planungen für ein großen Fest im vergangenen Jahr nahezu unmöglich machte. Dann ist da aber auch noch die energetische Sanierung des Unterkunftsgebäudes, die die Helfer noch mehr belastet. Die von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben geführte Baumaßnahme sieht sich nun seit zweieinhalb Jahren hin. Ein Teil der Räume ist nun fertig, doch die Außenfassade ist immer noch nicht isoliert. Die Spinde zum Umziehen standen lange in der Fahrzeughalle, egal wie kalt es war, Kleidungswechsel für den Einsatz und für Übungen musste sein, die Schulungen fanden in Container statt. Doch auch hier zeigt sich das Durchhaltevermögen der THW-Helfer. Sie feiern jetzt trotzdem.

Hunderte Gäste feierten Jubiläum

Hunderte Gäste kamen auf das THW-Gelände am Ulmer Sandhaken, um die Einsatzgeräte zu sehen, teilweise durfte auch ausprobiert werden und in Vorführungen wurde der Umgang gezeigt. Die Bandbreite der Ulmer ist dabei so groß, dass auch das angrenzende Katastrophenschutzgelände und ein bisschen Donau als Ausstellungsfläche benötigt wurde.

Ortbeauftragter Stefan Kiemel definiert das THW vereinfacht als Partner der Feuerwehr in der Region und das trifft auf viele Einsätze zu. Der THW-Bagger hat nicht nur Greifer, Löffel und Meißel als Anbaugerät vorrätig, sondern auch einen langen Einreißhaken. Damit kann bei Großbränden auch einmal ein Dach oder eine Wand eingerissen werden, so kann die Feuerwehr dann auch Glutnester unter Trümmern finden und ablöschen. Zuletzt war das beim Brand eines Bauernhofes nach einem Blitzeinschlag in Wiblingen notwendig und beim Großbrand des Elektro-Großmarktes Jehle in Ulm. Wenn es notwendig ist, arbeitet der Baggerführer dabei auch unter Atemschutz, denn auch diese Ausbildung gehört zum breiten Spektrum des THW.

Doch auch das größte Ulmer Ereignis profitiert jedes Jahr vom THW. Am Schwörwochenende bauen die Helfer Pontons auf, von denen zur Lichterserenade das Feuerwerk abgeschossen wird und zum Nabada nutzt eine Musikkapelle den Transport auf dem Wasser. Auch ein Motorboot kann für Rettungs- und Bergungseinsätze genutzt werden.

Auszeichnung für Hermes Klöble

Eine ganz besondere Überraschung erlebte der stellvertretende Ortsbeauftragte Hermes Klöble. Aus der Hand des Landesbeauftragte Dietmar Löffler erhielt Klöble das Ehrenzeichen des THW in Bronze, die dritthöchste Auszeichnung des THW überhaupt. Seit 1986 engagiert er sich ehrenamtlich im Ulmer THW, darunter auch zwanzig Jahre als Jugendbetreuer.

In seiner Laudation sprach Löffler davon, dass Hermes Klöble Generationen von Junghelfern ausgebildet und für das THW begeistert hat. Bis heute engagiert sich Klöble, seit vier Jahren auch als stellvertretender Ortsbeauftragter. Bei der Sanierung der THW-Unterkunft vertritt Klöble durchsetzungsstark die Interessen der Ulmer Helfer.

Weltweit tätig

Beim offiziellen Teil des THW-Jubiläum war auch der Bundestagsabgeordnete Martin Gerster (SPD) einer der Redner. Gerster ist auch Vorsitzender der THW Bundesvereinigung und vertritt in dieser Funktion die Interessen der 84 000 ehrenamtlichen Helfer. Das THW bezeichnete er dabei als „besten Botschafter Deutschlands in der ganzen Welt“, denn neben der Katastrophenhilfe in Deutschland ist das THW auch weltweit tätig. So war beispielsweise Hermes Klöble bereits in Tunesien, Rumänien und Bosnien im Einsatz, um nach Erdbeben die Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen.

Stefan Kiemel, der Ortsbeauftragte, konnte in seiner Festrede neben viel Dank auch auf die Ursprünge der Ulmer Einheit zurückblicken, bei der Gründung 1952 war Ulm unter den ersten zehn Ortsgruppen bundesweit, mittlerweile gibt es THW-Helfer in bundesweit 860 Orten.

Die Bedeutung des Ulmer THW betonte auch Ulms Finanzbürgermeister Martin Bendel. Das THW ist ein wichtiger Baustein im Zukunftskonzept „Krisenfestigkeit“, das der Ulmer Gemeinderat im kommenden Jahr beschließen soll und in dem die Stärken aller Blaulichtorganisationen noch besser vernetzt werden sollen.

Vielfältiges Programm für Besucher

Nach dem offiziellen Teil gehörte das THW-Gelände natürlich den Besuchern, die auch gerne mit anpacken durften. Auf luftgefüllten Hebekissen war ein tonnenschwerer Betonblock abgelegt und obendrauf ein Ball im einem Labyrinth. Erwachsene und Kinder konnten die Hebekissen aufblasen oder Luft ablassen, um den Ball durch das Labyrinth zum Ziel zu bringen. Im Einsatz müssen die Helfer genauso feinfühlig eingeklemmte Menschen aus Trümmern befreien oder schwere Lasten heben.

Auch der Rettungsspreizer ist normalerweise ein Gerät für grobe Arbeiten, doch im Sandhaken wurde damit eine Timber-Variante gespielt. Anstatt verklemmte Autotüren aufzuspreizen mussten Holzklötze vorsichtig gegriffen werden und aus dem Stapel herausgezogen werden. Bei fehlendem Fingerspitzengefühl wäre der Holzklotz einfach nur zerquetscht worden.

Neben dem eigenen Erfahren konnten die Besucher auch Vorführungen genießen, so wurde nicht nur mit dem Bagger in Trümmern gearbeitet, auch ein „Leiterhebel“ wurde gezeigt. Mit einer langen Leiter, einer Schleifkorbtrage und vier Seilen können so Verletzte aus oberen Stockwerken gerettet werden, wenn einmal keine Drehleiter zur Verfügung steht. Und trotzdem ist die Rettung genauso schonend.

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