Dafür bringen 80 Schwertransporter die Einzelteile. Der Aufbau dauert fünf Tage. Am Wochenende ist der erste Hub geplant. Die Maßnahme ist Teil der großen B10-Erneuerung. Ulms Baubürgermeister Tim von Winning spricht vom spektakulärsten Teil des Projekts.
Der Aufwand für den Aufbau ist enorm. Das Gelände hinter Ikea ist weiträumig abgesperrt. Die Einzelteile des Krans kommen per Schwertransport. „Die kommen teilweise nachts“, sagt Oberbauleiter Max Fuß. Ein riesiger Bodenaustausch war zur Vorbereitung nötig. Ein Hilfskran errichtet dann den Hauptkran. Dieser „Hilfskran“ ist selbst einer der größten mobilen Krane. Projektleiter Gerhard Fraidel betont die Dimension. „Einen Kran dieser Größe hat die Stadt Ulm noch nicht gesehen“, sagt er. Die Spannung auf der Baustelle ist riesig.
Der LR 11000 ist fast so hoch wie das Ulmer Münster. Seine 160 Meter ragen bald in den Himmel. Der Münsterturm misst nur 1,53 Meter mehr. Der Kran kann Lasten von bis zu 1000 Tonnen heben. Das gewaltige Interesse ist für die Stadt keine Überraschung. Sie bietet sogar Führungen für die Baustelle an. „Die wirklichen Freaks können auch zu Hause sitzen“, sagt Baubürgermeister von Winning. Eine Webcam überträgt die Arbeiten rund um die Uhr. Jeder kann den Aufbau live verfolgen.
Der erste Hub ist für Freitag geplant. Dann hebt der Kran ein 420 Tonnen schweres Brückenteil. Das bestätigt Bauleiter Kurt Bicker. Zuvor wird das Teilstück mit einer Seilsäge herausgetrennt. Am Boden zerteilen Bagger das Betonteil. Lastwagen bringen das Material zur Aufbereitung. Insgesamt sind 52 Hübe vorgesehen. In nur sechs Tagen soll die halbe Brücke weg sein. Dafür wird rund um die Uhr gearbeitet. Der Einsatz ist kostspielig, pro Stunde kostet der Kran 10.000 Euro.
Die Arbeit über den Gleisen ist eine Herausforderung. Die Brücke überspannt 14 Bahngleise der Deutschen Bahn. Während der Hübe darf dort kein Zug fahren. Ein riesiges Gerüst schützt die Gleise und Oberleitungen. Auch dieses wurde im Schichtbetrieb errichtet. Wegen seiner Höhe brauchte der Kran eine Sondergenehmigung. Er gilt als offizielles Luftfahrthindernis. Die Planungen für den Abriss laufen seit Jahren. „Vor drei Jahren sind wir in diese Schlacht gezogen“, so Fraidel.
Nach der Wallstraßenbrücke folgt der nächste Abriss. Die westliche Hälfte der Blaubeurer-Tor-Brücke ist dran. Auch sie soll im Sommer bereits Geschichte sein. Fraidel verspricht den Ulmern eine freie Sicht. „An Schwörmontag sehen Sie das Blaubeurer Tor ganz frei!“, sagt er. Das Material der Brücken wird fast vollständig recycelt. Die Recyclingquote liegt bei 98 Prozent. Es wird für den Neubau der Brücke und des Tunnels wiederverwendet. Alles soll bis zur Landesgartenschau 2030 fertig sein.