Am Mittwochvormittag, 24. Juni 2026, fiel in Ulm das letzte Stück der Blaubeurer-Tor-Brücke. Ein 600-Tonnen-Kran hob das schwere Segment über dem historischen Stadttor aus. Dutzende Zuschauer verfolgten das beeindruckende Spektakel direkt vor Ort. Die Arbeiten liegen deutlich vor dem Zeitplan. Der Abriss schafft neuen Platz für die Neugestaltung zur Landesgartenschau 2030.
Es war ein Vormittag voller präziser Ingenieurskunst. Halb zehn Uhr morgens schwebte das letzte Brückensegment aus. Der riesige Raupenkran mit seinem 54 Meter langen Mast leistete Millimeterarbeit. Scheinbar mühelos hob er die tonnenschwere Last in die Höhe. Das Segment wiegt zwischen 150 und 200 Tonnen. Es wurde sanft auf dem Boden abgesetzt. Dann brandete Applaus von der Aussichtsplattform auf. Die Zuschauer auf dem Gehweg klatschten ebenfalls anerkennend. Alles hatte so leicht und einfach ausgesehen.
Die Szene hatte einen fast feierlichen, würdigen Charakter. Plötzlich schoss eine hohe Wasserfontänen in den Himmel. Die Feuerwehr ehrte die Brücke mit einem Wasserkanonensalut. Dieses Ritual kennt man sonst eher von Flughäfen. Dort werden auf diese Art beispielsweise Flugkapitäne in den Ruhestand verabschiedet. „Wir haben unsere Brücke jetzt verabschiedet“, erklärte Projektleiter Gerhard Fraidel. „Sie hat jetzt 60 Jahre für uns gearbeitet.“ Man könne sie nicht einfach achtlos zurückbauen.
Kaum war das Brückenteil sicher gelandet, begannen schon die nächsten Arbeiten. Drei Bagger machten sich sofort an die Zerkleinerung. Sie zerlegten das massive Betonteil in handlichere Stücke. Die Logistik im Hintergrund lief auf Hochtouren. Um die Ecke standen bereits die Lastwagen bereit. Sie warteten auf den Abtransport des Raupenkrans. Dieser wird nun umgehend zur nächsten Baustelle gebracht.
Der gesamte Rückbau verläuft äußerst zügig und professionell. Die Projektleitung ist dem Zeitplan deutlich voraus. „Wir sind hier jetzt deutlich vor dem Zeitplan“, bestätigte Fraidel. „Es geht jetzt auch ziemlich zügig weiter.“ Kaum waren die Sägearbeiten an der Brücke abgeschlossen, wurden schon die ersten Schutzplanen entfernt. Der Blick auf das Blaubeurer Tor wird langsam wieder frei. Das ehemalige Stadttor tritt wieder in Erscheinung.
Unter den Zuschauern herrschte eine ganz besondere Stimmung. Viele waren extra für diesen historischen Moment gekommen. Gabi Stich ist eine von ihnen. „Es ist eine einmalige Gelegenheit“, sagte die Ulmerin begeistert. Sie verfolgt die Baustelle mit großem Interesse. Das tut sie nicht nur vor Ort am Bauzaun. „Wir verfolgen das im Livestream im Büro“, verriet sie. Die Faszination für das Projekt ist groß in der Stadt.
Der Anblick der verschwindenden Brücke löst gemischte Gefühle aus. „Irre. Man hätte es kaum geglaubt“, sagte Gabi Stich. Sie hat die Brücke ihr Leben lang gekannt. Dem Projektleiter hat sie persönlich gratuliert. „Weil die Baustelle so super gut läuft. Wir sind ganz begeistert.“ Dieses Lob hörte Gerhard Fraidel an diesem Tag öfter. Es war eine schöne Bestätigung für die harte Arbeit des Teams.
Für Projektleiter Gerhard Fraidel war es ein sehr emotionaler Tag. „Für mich ist Weihnachten“, sagte er sichtlich erleichtert und glücklich. Die größte Sorge war die Sicherheit aller Beteiligten. „Das Brückenteil über dem Blaubeurer Tor ist weg. Es ist nichts passiert.“ Er gestand, dass hinter den Kulissen auch Tränen geflossen seien. „Gott sei Dank hat man mich drüben nicht gefilmt.“ Die Anspannung der letzten Tage fiel sichtlich von ihm ab.
Die Zukunft des Platzes hat an diesem Tag bereits begonnen. Bis zum 10. Juli 2026 soll die Brücke komplett verschwunden sein. Das historische Blaubeurer Tor wird nun wieder zum Mittelpunkt werden. Ein neues Kapitel für die Stadtentwicklung ist aufgeschlagen.