Finanziert wurde das Rad zu großen Teilen durch eine 10.000-Euro-Spende von Lidl-Kunden. Das Projekt ist ein landesweiter Vorreiter für die Tafeln in Baden-Württemberg. Es soll den Verkehr entlasten und die Umwelt schonen.
Der Ulmer Tafelladen kann nun auf eine umweltfreundliche Transportlösung zurückgreifen. Mit dem Geld aus der Lidl-Pfandspende wurde das E-Lastenfahrrad finanziert. Die Tafel Ulm hatte sich erfolgreich um die Fördermittel beworben. Das Rad ist im Design des Tafelladens gestaltet. Hinten wirbt es für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) beim DRK.
Das Fahrrad ist eine bewusste Entscheidung gegen den zunehmenden Stadtverkehr. Stefan Brandt ist stellvertretender Kreisgeschäftsführer des DRK Ulm. „Wir haben uns lange überlegt, wie wir dem steigenden Verkehr in Ulm entgegentreten können“, erklärt Brandt. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielte bei der Entscheidung eine große Rolle. „Und da kam die Idee auf, eine Lastenkutsche, ein Lastenfahrrad zu schaffen.“ Dieses sei nun nach den Wünschen des Tafelladens konfiguriert worden.
Das Ulmer Projekt hat Pilotcharakter. Es ist das erste Lastenfahrrad dieser Art bei den Tafeln in Baden-Württemberg. „Wir finden, dass es total innovativ ist“, betont Stefan Brandt deshalb. Man müsse nun kurze Strecken nicht mehr mit einem Lieferwagen fahren. Stattdessen können Spenden von Cafés und Bäckereien umweltschonend abgeholt werden. Der dichte Verkehr in der Innenstadt wird dadurch nicht weiter belastet und Baustellenstau ist kein Thema mehr.
Die Finanzierung des Lastenrads sicherten mehrere Partner. Den größten Anteil trug die Lidl-Pfandspende mit 10.000 Euro bei. Seit März 2008 können Lidl-Kunden per Knopfdruck ihr Flaschenpfand spenden. Kerstin Lang ist die Tafel-Beauftragte von Lidl. Sie lobt die hohe Spendenbereitschaft der Kunden. „Dass unsere Kunden dies in einem so großen Umfang unterstützen, ist für uns eine großartige Bestätigung.“
Über 37 Millionen Euro kamen so in den vergangenen 20 Jahren für die Tafel Deutschland zusammen. Davon gingen über 4,4 Millionen Euro nach Baden-Württemberg. So konnten hier rund 520 Projekte umgesetzt werden. Auch der Tafelverband Baden-Württemberg unterstützte das Ulmer Projekt finanziell. Er wollte den innovativen Ansatz gezielt fördern. „Weil wir das erste Lastenfahrrad in Baden-Württemberg sind“, erläutert Brandt die besondere Rolle Ulms. Den Restbetrag steuerten weitere Spender bei.
Das Fahrzeug ist speziell für die Bedürfnisse der Tafel ausgelegt. Die Ladefläche wurde genau für Gemüsekisten konzipiert. „Wir können hier eine ganze Reihe von Gemüsekisten einladen“, so Brandt. Neun bis zwölf Kisten finden in dem Kofferaufbau Platz. Das Fahren erfordere eine Umstellung. „Da muss man sich erstmal drauf einstellen“, sagt Brandt über die Kippsicherheit. Entscheidend sei das Lenken, nicht die Neigung des Körpers.
Die Notwendigkeit der Tafeln wächst unterdessen weiter. Stefan Brandt wünschte sich, die Tafeln wären ein Auslaufmodell. Das würde bedeuten, dass weniger Lebensmittel verschwendet werden. Und Menschen müssten nicht mehr zur Tafel gehen. Die Realität sieht anders aus. „Die Schere wird leider immer größer. Wir haben immer mehr Kunden in der Tafel.“ Gleichzeitig wird das Angebot an Lebensmitteln geringer. Die Supermärkte kalkulieren inzwischen deutlich genauer. Das neue Rad hilft, die Spenden effizient einzusammeln.