Ulm - Historische Straßenbahn in neuem Glanz

Älteste Straßenbahn Ulms

Die SWU Verkehr präsentierte am Montag in Ulm ihre älteste Straßenbahn. Der historische „Wagen 13“ erstrahlt nun in einem neuen, alten Gewand.

Der Wagen wirbt weiterhin für die Ulmer Traditionsbrauerei Gold Ochsen. Die Gestaltung wurde historischen Vorbildern liebevoll und detailreich nachempfunden. Auf dem SWU-Betriebshof in der Bauhoferstraße stellten die Partner das Fahrzeug vor. Sie möchten mit der Kooperation die reiche Ulmer Stadtgeschichte lebendig halten. Die restaurierte Bahn kann für besondere Anlässe gemietet werden.

Über 120 Jahre Straßenbahn-Geschichte

Der Wagen 13 hat eine sehr bewegte Geschichte hinter sich. Er wurde bereits im Jahr 1905 gebaut und nach Ulm geliefert. Damit ist er die älteste erhaltene Straßenbahn der ganzen Donaustadt. Ursprünglich wurde das Fahrzeug für die Strecke nach Söflingen eingesetzt. Diese neue Linie markierte einen wichtigen Schritt für den Nahverkehr. Sie war Teil des damaligen Eingemeindungsvertrags mit dem heutigen Stadtteil. Neun baugleiche Wagen wurden zusammen mit der Nummer 13 beschafft. Die meisten dieser Fahrzeuge sind heute jedoch nicht mehr existent. Sie wurden entweder verschrottet oder im Zweiten Weltkrieg tragisch zerstört. Nur der Wagen 13 überlebte und erfüllte eine ganz neue Aufgabe. Er war viele Jahrzehnte lang als Schienenschleifwagen im städtischen Einsatz.

Der lange Weg zurück zu einer Fahrgaststraßenbahn war sehr aufwendig. Der Wagen wurde in den Jahren 2010 bis 2018 umfassend restauriert. Viel Engagement von Auszubildenden und erfahrenen Handwerkern war dafür nötig. Jürgen Späth leitet bei der SWU Verkehr den Bereich der Schienenfahrzeuge. Er kennt die technischen Details der Restaurierung ganz genau. „Der Wagenkasten, so wie man jetzt sieht, ist weitestgehend original erhalten“, erklärt der Experte. Lediglich die Sitzbänke seien neu. Sie wurden aber aus altem Holz stilecht nachgefertigt. „Die Decke, die Seitenwände, das ist alles original“, fügt Späth hinzu. Für die SWU ist die 13 deshalb keine Unglückszahl. Sie ist eine echte Glückszahl geworden.

Zwei Ulmer Traditionen vereint

Die gelungene Kooperation ist für beide Partner eine echte Herzensangelegenheit. Sie verbindet zwei tief in der Stadt Ulm verwurzelte Unternehmen. Ulrike Freund, die Geschäftsführerin der Brauerei Gold Ochsen, sieht darin eine logische Partnerschaft. Sie betont die große Wichtigkeit der gemeinsamen Geschichte. „Die Tradition, die gehört aufrechterhalten“, sagt sie mit fester Stimme. Ihr eigenes Unternehmen blickt auf eine über 450 Jahre lange Geschichte zurück. Auch die SWU ist seit langer Zeit ein fester Bestandteil von Ulm. „Das gehört einfach nach Ulm und die SWU gehört auch zusammen“, so Freund. Die historischen Werbeplakate passen perfekt zu den vier alten Fahrzeugen.

Eine Fahrt in den Oldtimer-Bahnen ist ein ganz besonderes Erlebnis. Insgesamt vier historische Straßenbahnen, ein Beiwagen sowie drei historische Linienbusse können über die Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH gemietet werden. Sie eignen sich hervorragend für Feiern oder spezielle Firmenveranstaltungen. „Kleine Veranstaltungen mit den alten Straßenbahnen aus dem Jahr 1905. Das gibt doch eine Stimmung“, schwärmt Ulrike Freund. Anders als in den normalen Linienbahnen dürfen die Fahrgäste hier auch ein Bier genießen. Dies unterstreicht den besonderen Charakter der beliebten Event-Fahrten. Die Bahnen bieten eine einzigartige Möglichkeit, die Stadt entspannt zu erfahren. Man muss nicht selbst fahren und kann die besondere Fahrt genießen.

Auch für die Fahrer ist die historische Bahn eine spannende Herausforderung. Jürgen Späth beschreibt das Fahrgefühl als „echtes Handwerk“. Moderne Assistenzsysteme wie etwa ein Antiblockiersystem fehlen hier vollständig. „Da muss der Fahrer das wirklich mit seinem Gefühl nur machen“, erklärt der Fachmann. Das Fahren und das Bremsen werden direkt mit der Hand gesteuert. Das erfordert natürlich viel Erfahrung und auch reichlich Fingerspitzengefühl. Trotz der anspruchsvollen Bedienung macht das Fahren der alten Bahn großen Spaß. Die historischen Bahnen sind somit rollende Botschafter der Ulmer Verkehrsgeschichte. Sie machen die reiche Vergangenheit der Mobilität für jeden direkt erlebbar. Die neue Gestaltung sorgt dafür, dass der Wagen 13 wieder präsenter im Stadtbild ist. Er zeigt in lebendiger Form die Ulmer Verkehrsgeschichte.

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