In Ulm beginnt am Montag der letzte große Schritt zum Abriss der Blaubeurer-Tor-Brücke. Ein riesiger Kran wird die tonnenschweren Brückensegmente entfernen. Damit wird das historische Blaubeurer Tor nach 60 Jahren wieder freigelegt. Das Projekt gilt als Meilenstein für die Stadtentwicklung.
Ein 55 Meter hoher Liebherr-Kran steht für die Aufgabe bereit. Er wird acht riesige Brückenteile aus dem Verbund heben. Jedes dieser Teile wiegt bis zu 200 Tonnen und ist 40 Meter lang. Die Brücke wurde im Vorfeld bereits in Segmente zersägt. Um das historische Tor darunter zu schützen, hob man das Bauwerk um 52 Zentimeter an. Es wurde zudem sorgfältig verpackt. Projektingenieur Thomas Holzheu erklärt den genauen Ablauf: „Wir heben ab Montag insgesamt acht Segmente aus und wollen da bis Mittwoch damit durch sein.“ Die massiven Teile werden direkt neben der Baustelle von Baggern zerkleinert.
Für die Stadt Ulm ist der Abriss ein historischer Moment. Die Brücke prägte 60 Jahre lang das Stadtbild. Baubürgermeister Tim von Winning spricht von einem „Meilenstein“. Er freut sich darauf, das historische Tor von dem „brutalen Verkehrsbauwerk zu befreien“. Projektleiter Gerhard Fraidel nennt es den „wichtigsten Schritt“ des gesamten Vorhabens. Er betont stolz: „Wir machen jetzt das Blab-Euro-Tor frei.“ Ursprünglich war dieser Schritt erst für den Herbst geplant. Dank kreativer Ideen und enger Zusammenarbeit geht es nun deutlich schneller voran.
Zukunft ohne Brücke
Die Brücke weicht einem neuen Tunnel. Viele Arbeiten dafür laufen bereits auf Hochtouren. Auf der Baustelle wird parallel gebohrt, betoniert und asphaltiert. Eine Besonderheit des Projekts ist die konsequente Wiederverwertung des anfallenden Materials. Alter Beton der Brücke wird aufbereitet und direkt wieder verwendet. Das spart Transportwege und schont die Umwelt durch weniger CO2-Ausstoß. Tim von Winning lobt das innovative Vorgehen. „Hier an der Stelle gelingt es uns eben mit dem Ersatzneubau von dem Tunnel einen komplett neuen städtischen Ort zu machen“, so der Baubürgermeister.
Der reibungslose Ablauf ist kein Zufall. Die Baufirmen Leonard Weiss und Matthäus Schmid arbeiten mit der Stadtverwaltung partnerschaftlich zusammen. Alle Beteiligten sitzen an einem Tisch. Ideen werden so innerhalb kürzester Zeit geprüft und umgesetzt. Dieses kooperative Verfahren gilt als vorbildlich für komplexe Bauvorhaben.
Auch beim Recycling zeigt sich die hohe Effizienz auf der Baustelle. Thomas Holzheu beschreibt den Prozess sehr anschaulich: „Die Betonteile werden pulverisiert. Das Material kommt in den Brecher und man kann es wieder an Ort und Stelle verwenden.“ So entsteht ein nachhaltiger Kreislauf direkt vor Ort.
Die Verantwortlichen sind sichtlich begeistert vom Projekt. „Ich finde das begeisternd, wie es den Beteiligten gelingt, hier ein so großes Bauwerk abzuwickeln“, sagt Tim von Winning. Die schiere Größe und Bedeutung sei faszinierend. Gerhard Fraidel ergänzt, dass man dem Zeitplan an vielen Stellen weit voraus sei. „Ich glaube, schneller geht es nicht“, meint der Projektleiter. Diese Geschwindigkeit kommt auch den Bürgern zugute. Die Verkehrsführung rund um das Blaubeurer Tor wird stetig angepasst und optimiert. Neue Fahrspuren sollen den Verkehr schnellstmöglich entlasten.
Wer den Abriss live verfolgen möchte, kann dies vom B10-Infopoint beim Leonardo-Hotel tun. Dort stehen auch immer wieder Experten bereit, um Fragen zu beantworten und Details zum Baufortschritt zu erläutern. Die nächste Baustellen-Sprechstunde ist Mittwoch, 24. Juni von 16.30 Uhr bis 18.30 Uhr.
Die komplette Brücke soll bereits am 10. Juli vollständig verschwunden sein.