Partner waren die Feuerwehr Ulm und der DRK-Rettungsdienst, auch die Notfallseelsorge Ulm/Alb-Donau-Kreis war an der aufwändigen Aktion beteiligt. Ein realer Unfall mit vier Toten bildete den emotionalen Auftakt.
Der Tag begann für die knapp 200 Schüler mit einem Rückblick der Einsatzkräfte. Sie sahen einen rund einminütigen Videofilm von einer echten Unfallstelle. Der schwere Unfall ereignete sich im April des Vorjahres in der Nähe von Ulm. Ein junger Fahrer war mit über 200 km/h auf einer Landstraße unterwegs. Sein Mercedes rammte frontal ein entgegenkommendes Auto. Vier Menschen verloren bei diesem schrecklichen Unfall ihr Leben, darunter war auch der junge Unfallverursacher selbst. Der Film zeigte ungeschönt die totale Zerstörung der Fahrzeuge. Die Bilder sollten die brutale Realität des Todes auf der Straße zeigen.
Direkt im Anschluss schilderten dort beteiligte Einsatzkräfte ihre persönlichen Erlebnisse. Ein Polizist vom Revier Ulm-Mitte war als allererster am Unfallort. Er beschrieb eindrücklich die Minuten vor dem schlimmen Einsatz. Er war noch wenige Minuten zuvor mit seiner Streifenpartnerin auf nächtlicher Streifenfahrt gewesen. Sie hatten eine Dose Red Bull dabei und hörten Musik im Radio, dann kam der Funkspruch vom schweren Unfall auf der Landstraße. Auch die Polizeibeamten wurden damit aus der Routine gerissen. Ein Notfallseelsorger sprach über seine wohl schwerste Aufgabe im Dienst. Er muss den Angehörigen die schreckliche Todesnachricht überbringen.
Eine Zahl wurde an diesem Vormittag besonders hervorgehoben: 113. So viele Menschen sind im Durchschnitt direkt vom Tod einer Person betroffen. Das erklärte Lars Felden vom Referat Prävention der Polizei Ulm. Dazu zählen die nahen Familienangehörigen und die engen Freunde. Auch Arbeitskollegen und Bekannte gehören zu diesem Kreis. Es sind alle Menschen, die um einen Verstorbenen trauern. Eine direkte Frage wurde in den stillen Raum gestellt. „Wer würde die Tür öffnen, wenn man deine Todesnachricht überbringen muss?“ Diese Frage zielte auf die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen.
Die Wirkung dieser emotionalen Schilderungen war enorm. Schulleiter Lorenz Schult beobachtete die Reaktion seiner Schüler genau. „Es war natürlich mucksmäuschenstill“, sagte er im Gespräch. Man hätte wirklich eine Stecknadel fallen hören können. Die realitätsnahe Darstellung ging den Schülern sichtlich nahe. Diese Betroffenheit schuf die wichtige Basis für den weiteren Tag. Die Jugendlichen zeigten anschließend großes Engagement an den Stationen. Sie stellten viele Fragen an die Experten der Einsatzorganisationen.
Nach der eindringlichen Theorie folgte die wichtige Praxis. Die Schüler lernten lebensrettende Sofortmaßnahmen kennen. Der DRK-Rettungsdienst Heidenheim-Ulm gab die Einweisung. Jeder Schüler lernte und übte die drei lebensrettende und einfachen Handgriffe. Dazu gehörten die stabile Seitenlage bei einer bewusstlosen Person. Auch das schnelle Stoppen von lebensbedrohlichen Blutungen wurde geübt. An Reanimationspuppen trainierten sie zudem die Herz-Lungen-Wiederbelebung. Die Polizei zeigte an Ständen die Gefahren von Posing und Tuning auf. Illegales Handeln wird schnell gefährlich.
Ein weiterer Höhepunkt des Tages war eine realitätsnahe Rettungsübung. Feuerwehr und Rettungsdienst zeigten die Befreiung eines Unfallopfers. Dafür standen Autowracks auf dem Schulgelände bereit. In einem Fahrzeug wurde eine Übungspuppe als eingeklemmte Person platziert. Die Feuerwehrleute arbeiteten mit hydraulischer Schere und Spreizer. Sie schnitten das Wrack professionell auf, um die Puppe zu befreien. Danach übergaben sie das „Opfer“ an den Rettungsdienst. Die Sanitäter simulierten die medizinische Erstversorgung an der Unfallstelle.
Die Jugendlichen verfolgten die Rettungsaktion mit großem Interesse. Sie konnten als Zuschauer dabei sein, ohne zu Gaffern zu werden. Dieser Aspekt war den Veranstaltern besonders wichtig. Die ernsten Gesichter vieler Schüler zeigten ihre Betroffenheit. Die Demonstration machte die Folgen eines Unfalls greifbar. Es war deutlich zu sehen, dass die Vorführung beeindruckte und die jungen Leute sichtlich nachdenklich stimmte.