Es war ein heißer Mittwochnachmittag. Über 35 Grad zeigte das Thermometer an. Die Donau lag ganz ruhig da. Lautlos glitt die Ulmer Schachtel vom Metzgerturm hinunter zur Gänstorbrücke. An Bord waren die Verantwortlichen des Brückenprojekts. Sie zeigten sich sichtlich zufrieden mit dem bisher Erreichten. Die Stimmung war gelöst. Projektleiter Timo Roth saß locker auf der Reling. Er plauderte über die Anstrengungen der letzten Monate. Die Erleichterung war ihm anzumerken.
Die erste Hälfte des Neubaus ist fast geschafft. Wichtige Meilensteine wurden bereits erreicht. Am 28. Mai fand die „Brückenhochzeit“ statt. Dabei wurden die mittleren Stahlsegmente eingesetzt. Anfang Juli verschweißten die Arbeiter die Brückensegmente. Dann folgte der Abbau des Hängegerüstes. Das sicherte die freie Fahrt für das Nabada. Anfang der Woche betonierten die Arbeiter die Fahrbahnplatte. Die Arbeiten liegen gut im Plan.
Der Ersatzneubau der alten Brücke kostet 53 Millionen Euro. Die Städte Ulm und Neu-Ulm teilen sich diese Summe hälftig. Beide Bundesländer geben große Zuschüsse. Baden-Württemberg steuert 11 Millionen Euro bei. Bayern fördert den Bau mit 18,8 Millionen Euro. Ohne diese Gelder wäre das Projekt kaum finanzierbar.
Der OB Martin Ansbacher betonte die Bedeutung des Bauwerks. „Brücken verbinden“, sagte er bei der Fahrt auf der Donau. Sie seien wichtig, weil die Menschen die Doppelstadt als einen Lebensraum wahrnehmen. Seine Kollegin Katrin Albsteiger sprach von einer „Investition in die Zukunft“. Diese ermögliche eine moderne und sichere Mobilität. Die neue Brücke wird sechseinhalb Meter breiter. Das schafft Platz für Fußgänger und Radfahrer.
Projektleiter Timo Roth berichtete von der vielen Nachtarbeit. Bauarbeiter und Planer arbeiteten oft zu später Stunde. Für die Anwohner bedeutete das eine Lärmbelästigung. Roth dankte ihnen für ihr Verständnis. Er pflege einen engen Draht zu den Anwohnern. Über die familiären Entbehrungen sagte er schmunzelnd, seine Familie fordere nur eines: „Bring wenigstens Wecken zum Frühstück mit.“
Die Zusammenarbeit der beiden Städte sei entscheidend für den Erfolg. Dies betonte Katrin Albsteiger. Sie sei das „Ergebnis von sehr guter und reibungsfreier Zusammenarbeit“. Kleinere Unstimmigkeiten würden sofort ausdiskutiert. Dafür gebe es regelmäßige Treffen der Verantwortlichen. Die enge Kommunikation mit der Bürgerschaft sei ebenfalls sehr wichtig. Schließlich seien sie die Leidtragenden der Maßnahmen. Man müsse die Einschränkungen gut erklären.
Im Oktober soll der Verkehr auf die neue Brückenhälfte verlegt werden. Für die Autofahrer ändert sich dabei wenig. Die Spuren werden nur um einige Meter verschoben. Danach beginnt der Abriss des alten, östlichen Brückenteils. Ende 2027 soll die Gänstorbrücke dann komplett fertig sein. „Wir wissen, dass noch einiges an Wegstrecke vor uns liegt“, sagte OB Ansbacher. Auch er dankte den Bürgern für ihre Geduld mit Staus und Lärm.
Ansbacher und Albsteiger richteten ihren Dank an alle Bauarbeiter. Deren Arbeitszeiten liegen oft in der Nacht oder an Wochenenden. „Dabei haben viele von ihnen Familien“, sagten die beiden Oberbürgermeister. Martin Ansbacher versprach den Bürgern ein gutes Ende. „Wir kriegen es hin und schaffen es“, betonte er. Die neue Brücke ist sogar für eine mögliche Tramlinie vorbereitet. Damit wäre sie fit für eine nachhaltige Mobilität der Zukunft, auch wenn das im nächsten Jahrzehnt nicht finanzierbar sein dürfte.