Ulm/Neu-Ulm/Illerkirchberg: Donau und Iller verschonen die Anwohner

Hochwasser in Schwaben

Die Hochwasserschutzwände an Donau und Iller haben das Hochwasser von den meisten Häusern fern halten können, doch kleine Bäche machten Feuerweher, THW und Anwohnern Kummer.

Am Samstagnachmittag hatten die Stadt Ulm, die Stadt Neu-Ulm und der Alb-Donau-Kreis zu einem gemeinsamen Pressegespräch eingeladen. Diesen Schulterschluss erklärte Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher: „Das Wasser macht nicht halt an Grenzen. Es geht nicht um Zuständigkeiten.“ So wurde im engen Schulterschluss schon in den vergangenen Jahren geplant und nun die Zusammenarbeit auch gelebt, über kommunale Grenzen hinweg und auch alle Hilfsorganisationen gemeinsam.

Bürgertelefon eingerichtet

Für Ulm gab Ansbacher bekannt, dass ein Bürgertelefon eingerichtet wurde, das täglich von 8 bis 20 Uhr unter der Telefonnummer 0731/161-0 erreichbar ist und alle Fragen rund um das Hochwasser beantwortet, vor allem, um auch den Notruf 112 für dringend Notfälle freizuhalten.

In diesem Pressegspräch am Samstagmittag zog die Neu-Ulmer Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger eine erste Zwischenbilanz. Während man bei den Prognosen am Freitagabend „durchaus vom schlimmsten ausgehen musste“, so entspannte sich die Lage schon am Samstag und nachmittags wurden die Höchststände erreicht: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“. Für Probleme sorgten die „Gewässer 3. Ordnung“, wie die Bäche und Zuläufe zu Donau und Iller bezeichnet werden.

So wurde das Donaubad am Samstagabend geschlossen und der danebenliegende Wohnmobilstellplatz geräumt. Die Schutzwände schützten das Donaubad, doch in ein Blockheizkraftwerk drang über das Flachdach Wasser ein, das Ausmaß des Schadens muss erst noch begutachtet werden. Das Donaubad ist daher noch mindestens am Montag geschlossen.
Auch das Krankenhaus wurde durch die Schutzwände umgeben und eine Räumung wie 1999 konnte erfolgreich verhindert werden.

Hilfskräfte im Dauereinsatz

Ganz anders war die Lage südlich von Ulm im angrenzenden Illerkirchberg und in Schnürpflingen. Auch hier gibt es Deiche und Schutzwände gegen das Wasser der Iller, die auf einen Pegelstand von gut 6,50 Meter vorbereitet sind und die auch gehalten haben. Probleme bereitete die Weihung, die durch das Regenwasser extrem anschwoll und große Teile des Unterdorfes in Unterkirchberg überflutete. Die Feuerwehr Illerkirchberg wurde von anderen Feuerwehren aus dem Alb-Donau-Kreis und der Stadt Ulm unterstützt, um Barrieren aus Sandsäcken zu bauen und Keller auszupumpen.

Das Technische Hilfswerk (THW) Ulm baute mit Betonwände, die normalerweise in Autobahnbaustellen vor Gegenverkehr schützen, eine Ableitung für die Weihung, um sie von der Illerstraße wieder zurück in ihr angestammtes Flussbett zu führen. Aus Backnang wurde ein mobiler Pegelmesser gebracht, um den Wasserstand der Weihung besser kontrollieren zu können.

Ein halbes Dutzend Einsatzkräfte der DLRG waren an mehren Stellen der Weihung im Einsatz, vor allem die ausgebildeten Strömungsretter standen bereit, falls Feuerwehrleute bei ihrer gefährlichen Arbeit ins Wasser stürzen und Gefahr laufen, mitgerissen zu werden. In einigen Gebäude musste sicherheitshalber der Strom abgeschaltet werden, daher versorgte die Feuerwehr ihre Pumpen und die der Anwohner mit Notstromaggregaten.

Große Solidarität

Auch die Anwohner packten mit an, brachten vom Arbeitgeber Radlader und Stapler nach Illerkirchberg, um Sandsäcke transportieren zu können. Freunde von betroffenen Anwohnern brachten Tauchpumpen, die sie teilweise frisch in den Baumärkten kauften.

Die Anwohner kämpften nicht nur im Keller und den Gärten gegen das strömende Wasser, sie kümmerten sich auch um die Einsatzkräfte. Unter den Anwohnern, die mit Körben Essen und Getränke auf die Straße stellten, war auch eine Anwohnerin, die eigentlich ihren Geburtstag feiern wollte, stattdessen verteilte sie Leberkäswecken.

Auch im Südwesten des Alb-Donau-Kreis, im Bereich Unter- und Oberstadion, kam es zu zahlreichen Hochwassereinsätzen. Landrat Heiner Scheffold sprach schon am Samstagmittag von 51 Einsätzen im Landkreis gegenüber zwei Einsätzen im Stadtgebiet Ulm.

Um den Dammbau zu unterstützen, begann das THW in Neu-Ulm bereits am Freitagnachmittag damit, Tausende Sandsäcke zu füllen, die Einsatzkräfte wurden dann auch von Feuerwehrleuten unterstützt. In Ulm füllte nicht nur die Feuerwehr Sandsäcke ab, im THW-Logistikzentrum wurde eine Sandsackfüllanlage aus Karlsruhe aufgebaut, um dann in der Nacht zum Sonntag in einem ersten Anlauf gleich 30 000 Sandsäcke abzufüllen, Der Landkreis Ravensburg hatte davon 20 000 Sandsäcke vorbestellt, um gegen die dortigen Überflutungen vorgehen zu können.

Seit Samstagabend gehen die Wasserpegel an Donau und Iller langsam zurück, doch das zurückgestaute Wasser der kleinen Bäche sorgen weiter für überschwemmte Keller und Straßen. Daher wird es auch am Montag noch zu weiteren Behinderungen kommen.

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