Die Organisationen fordern dringende Nachbesserungen bei der geplanten Reform. Es geht um verlässliche Finanzierung und echte Mitsprache bei Entscheidungen. Die symbolische Aktion fand vor der Rettungswache in der Stuttgarter Straße statt. Sie war Teil eines deutschlandweiten Protests unter dem Motto „Notfallversorgung sichern“. Viele Helferinnen und Helfer zeigten ihre große Sorge um die Zukunft.
Acht große Hilfs- und Rettungsorganisationen haben sich dafür zusammengeschlossen. Dazu zählen das Deutsche Rote Kreuz und der Arbeiter-Samariter-Bund. Auch die Johanniter-Unfall-Hilfe und die Malteser sind Teil der Aktion. Gemeinsam sichern sie nahezu 100 Prozent der Notfallrettung in Deutschland. Sie begrüßen die geplante Reform der Notfallversorgung grundsätzlich. Jedoch sehen sie an zwei zentralen Stellen dringenden Verbesserungsbedarf. Ihre Forderungen machten sie bei einer Kundgebung in Berlin besonders deutlich. Dort versammelten sie sich auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Ein Aufgebot an Rettungsfahrzeugen und Hubschraubern unterstrich den Ernst der Lage.
Ein zentraler Punkt der lauten Kritik ist die unklare Finanzierung. Die Kosten im Rettungsdienst steigen seit Jahren kontinuierlich stark an. Gehälter nach Tarif und hohe Personalkosten sind ein großer Faktor. Auch die Ausgaben für moderne Fahrzeuge und Medizintechnik wachsen stetig. Die Organisationen fordern deshalb klare gesetzliche Finanzierungsregelungen. Diese Regeln müssen die besonderen Anforderungen der Notfallrettung abbilden. Lukas Wawra ist stellvertretender Rettungsdienstleiter beim DRK in Ulm. Er bringt die zentrale Forderung auf den genauen Punkt. „Das DRK fordert Nachbesserungen in der Reform der Notfallversorgung.“ Das sei absolut notwendig für die Zukunft.
Die Finanzierungssicherheit ist für die Retter von entscheidender Bedeutung. Nur so kann ein Rettungsdienst rund um die Uhr zuverlässig funktionieren. Die Einsatzbereitschaft muss für die Bevölkerung jederzeit gewährleistet sein. Wawra erklärt die konkreten Sorgen aus der täglichen Praxis. „Konkret geht es um die Tarifsteigerungen, die einfach mit refinanziert werden sollen.“ Diese klare Forderung sei für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zentral. „Wir möchten unsere Bereitschaft rund um die Uhr aufrechterhalten“, fügt er hinzu. Die geplanten Sparmaßnahmen im deutschen Gesundheitswesen treffen auch den Rettungsdienst. Die Helfer befürchten, dass an der komplett falschen Stelle gespart wird. Wawra meint dazu: „Wir sind der Meinung, wir müssen einen Teil dazu beitragen.“ Er schränkt aber sofort ein: „Aber es wird an der falschen Stelle in dem Moment gespart.“
Die zweite große Forderung betrifft die mangelnde Mitsprache der Organisationen. Die Bundesregierung plant die Einrichtung eines neuen bundesweiten Fachgremiums. Dieses Gremium soll künftig für alle Bundesländer Rahmenempfehlungen erarbeiten. Es geht dabei um wichtige Qualitätsstandards in der gesamten Notfallrettung. Im aktuellen Gesetzesentwurf ist aber vorgesehen, die Organisationen nur anzuhören. Ein echtes Stimmrecht sollen die Experten aus der Praxis nicht erhalten. Die Retter, die täglich an der Front im Einsatz sind, kritisieren das scharf. Sie fordern eine angemessene und stimmberechtigte Beteiligung im Gremium. Wer Standards für den Rettungsdienst setzt, muss die Praxis einbeziehen. Das ist die klare Haltung der acht beteiligten Verbände.
Die aktuellen Herausforderungen im Rettungsdienst sind schon heute enorm. Ein wachsendes Problem ist die Schließung von immer mehr Kliniken. Dies führt zu deutlich längeren und kritischen Transportwegen für die Rettungsteams. Patienten müssen oft in weiter entfernte Krankenhäuser gebracht werden. Das kostet wertvolle Zeit und bindet wichtige personelle Ressourcen. „Auch die Schließung der Kliniken stellt uns vor neue Herausforderungen“, bestätigt Lukas Wawra. Für den Rettungsdienstbereich Heidenheim-Ulm zeigt er sich dennoch zuversichtlich. Man sei im regen Austausch mit den verbliebenen Kliniken in der Region. So könne man sich auf die veränderte und schwierige Lage gut vorbereiten. Das Problem verlagere sich zunehmend von der Klinik in die Präklinik.
Trotz der deutlichen Kritik an den vorliegenden Reformplänen zeigen sich die Organisationen dialogbereit. Sie betonen ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Politik. Ihre umfassende fachliche Expertise wollen sie in den weiteren Prozess einbringen. Das Ziel ist eine gemeinsame und sinnvolle Weiterentwicklung der gesamten Reform. Nur durch eine enge Zusammenarbeit kann die Notfallversorgung zukunftsfest gemacht werden. Am Ende muss eine schnelle und qualitätsgesicherte Hilfe für alle Menschen stehen. Diese Versorgung muss flächendeckend und rund um die Uhr verfügbar bleiben. Das ist die zentrale Botschaft der Protestierenden. Sie hoffen, dass die Politik ihre Sorgen sehr ernst nimmt. Die Zeit drängt. Es ist fünf vor zwölf.