Ein technischer Defekt hat den Ulmer Hauptbahnhof lahmgelegt. Am Dienstagnachmittag fiel das Stellwerk komplett aus. Für rund drei Stunden fuhren keine Züge mehr. Tausende Reisende waren von dem Ausfall betroffen. Die Bahn musste zwei Züge auf offener Strecke evakuieren. Die genaue Ursache der Störung ist noch unklar. Die Reparaturarbeiten dauerten bis in den Abend hinein.
Gegen 16:30 Uhr meldete die Deutsche Bahn die Störung. Das Stellwerk am Hauptbahnhof funktionierte nicht mehr. Der gesamte Zugverkehr kam zum Erliegen. Züge konnten weder in den Bahnhof einfahren noch ausfahren. Tausende Pendler und Reisende strandeten in Ulm. Auch auf den Zulaufstrecken stauten sich die Züge. Die Bahn richtete einen Schienenersatzverkehr mit Bussen ein. Dieser konnte die hohe Nachfrage jedoch kaum bewältigen. Viele Fahrgäste suchten alternative Reisemöglichkeiten.
Mehrere Regionalzüge blieben auf freier Strecke stehen. Bei zwei Zügen entschieden die Notfallmanager der Bahn, Bundespolizei und Feuerwehr, diese Züge zu evakuieren. Ein Zug aus Biberach stoppte nahe der Adenauerbrücke. Hier halfen Bundespolizisten den Fahrgästen beim Aussteigen. Ein zweiter Zug strandete im Örlinger Tal nördlich von Ulm. Es handelte sich um den MX16 von Ulm nach Stuttgart. Feuerwehr und Stadtwerke brachten Busse zum Einsatzort. Die rund 150 Passagiere verließen den Zug über Leitern und wurden mit den Bussen zu nahegelegenen Bahnhöfen gebracht. Von dort konnten sie ihre Reise fortsetzen.
Die Stimmung in den festsitzenden Zügen war gemischt. Viele Passagiere zeigten sich anfangs geduldig. Doch mit der Zeit wuchs die Unsicherheit. Die Informationen flossen nur spärlich. Christine Johner war eine der betroffenen Reisenden. Sie stand drei Stunden lang in einem überfüllten Gang. "Ich musste jetzt die letzten 3 Stunden stehen, weil es keinen Sitzplatz mehr gab", berichtete sie. Die Durchsagen im Zug waren vage. Man warte auf Anweisungen des Notfallmanagers der Bahn.
Die Evakuierung selbst verlief dann aber geordnet. "Der Notfallmanager ist gekommen mit Polizei und Feuerwehr und wir sind jetzt nach drei Stunden evakuiert worden" so Johner weiter. Andere Fahrgäste nahmen die Situation mit Galgenhumor. Lisanne Weinreich saß ebenfalls in einem der Züge fest. Sie hatte ihr Fahrrad dabei und überlegte auszuscheren. "Ich habe mich echt die ganze Zeit gefragt, warum kann ich nicht einfach aussteigen und mit dem Fahrrad weiterfahren", sagte sie. Doch das war aus Sicherheitsgründen streng verboten.
Trotz des Ärgers zeigten viele Menschen Solidarität. Man teilte die letzten Snacks und Getränke. Man unterhielt sich und versuchte das Beste daraus zu machen. "Alle halten irgendwie zusammen und so, ja alle versuchen das irgendwie gemeinsam durchzustehen", beschrieb Weinreich die Atmosphäre. Für sie endete die Reise an diesem Tag bei Freunden in Ulm. Eigentlich wollte sie weiter nach Ludwigsburg fahren.
Gegen 19:30 Uhr war die Störung am Stellwerk behoben. Der Zugverkehr normalisierte sich danach nur langsam. Es kam auch am späten Abend noch zu erheblichen Verspätungen.
Erst in Juni war das Stellwerk am Ulmer Hauptbahnhof ebenfalls für mehrer Stunden komplett ausgefallen. Ein Ersatz der Technik aus den 1960er Jahren ist schon längst geplant, der Aufbau des elektronischen Stellwerks verschiebt sich weiter. Zuletzt war eine mehrwöchige Sperrung des Ulmer Hauptbahnhof im Januar geplant, um die Inbetriebnahme durchzuführen. Wegen Unsicherheiten in der eigenen Planung hat die Bahn diese Sperrung dann zwei Monate vorher abgesagt. Stattdessen wurden in einer einwöchigen Teilsperrung Vorarbeiten durchgeführt. Einen Zeitplan für die Inbetriebnahme des neuen Stellwerks hat die Bahn noch nicht veröffentlicht.