Die Ulmer Ärzteinitiative gehört zur IPPNW, einer weltweiten Ärzteorganisation, die sich gegen Atomwaffen und für Abrüstung einsetzt und 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.
Die lokale Gruppe äußert deutliche Kritik an der Entscheidung, in Gundremmingen Deutschlands ersten kommerziellen Fusionsreaktor zu bauen. Sie bezeichnet das Projekt als „Irrglaube“ und weist auf technische Risiken hin: So seien Materialschäden durch Neutronenstrahlung und der Umgang mit radioaktivem Tritium bisher ungelöst. Zudem betont die Initiative, dass die Kernfusion wirtschaftlich noch nicht tragfähig ist. Auch das mögliche Risiko der Verbreitung von Kernwaffen hält sie für besorgniserregend.
Die Kernfusion funktioniert ähnlich wie in der Sonne: Wasserstoffatome verschmelzen bei extrem hohen Temperaturen, und es entsteht Energie. Vorteile: Fusion erzeugt Strom CO₂-frei, liefert grundlastfähige Energie und produziert keine langlebigen, hochradioaktiven Abfälle. Nachteile: Die Technik ist sehr komplex, Materialien werden durch Neutronen stark belastet, der Umgang mit radioaktivem Tritium ist aufwendig, und die kommerzielle Wirtschaftlichkeit ist bisher nicht erreicht.
Trotz dieser Kritik loben Politik und Wirtschaft das Projekt für seine wirtschaftlichen Chancen. Ministerpräsident Markus Söder und Landtagsabgeordnete Jenny Schack verweisen auf stabile Arbeitsplätze und den Ausbau technologischer Kompetenzen in Bayern.
Die Ulmer Ärzteinitiative mahnt, die technischen und sicherheitsrelevanten Herausforderungen der Kernfusion nicht zu unterschätzen. Während die Debatte um Gundremmingen weitergeht, wird deutlich, dass der Bau des Fusionsreaktors nicht nur Chancen, sondern auch potenzielle Risiken mit sich bringt.