Eigentlich war Ferdi Soylu Anfang August mit seiner Frau und seinen vier Kindern für einen Familienbesuch in die Türkei gereist. Bei der Einreise wurde dem deutschen Staatsbürger nach Angaben seines Bruders mitgeteilt, dass er sich wenige Tage später zu einer Befragung bei der Staatsanwaltschaft in Ankara melden müsse. Soylu kam der Aufforderung nach – und wurde am 14. August festgenommen. Mehrere Medien hatten über den Fall berichtet.
Der 46-Jährige lebt seit rund 25 Jahren in Ulm, hat hier studiert und arbeitet als IT-Ingenieur. Nach Angaben seines Bruders Sebahattin Soylu werfen ihm die türkischen Behörden eine Verbindung zu einer terroristischen Vereinigung vor. Dabei soll auch der Ulmer Bildungsverein Feza eine Rolle spielen.
Die Familie weist die Anschuldigungen zurück. Ferdi Soylu sei nach Darstellung seines Bruders kein Mitglied des Vereins gewesen. Lediglich eine seiner Töchter habe dort vor vielen Jahren Nachhilfe erhalten. Die Angehörigen vermuten deshalb, dass Soylu bei den türkischen Behörden angeschwärzt worden sein könnte. Belegt ist diese Vermutung bislang nicht.
Nach der Festnahme kehrten Soylus Frau und die vier Kinder nach Deutschland zurück. Sein Bruder hatte sie nach eigenen Angaben in Bulgarien abgeholt und anschließend zurück nach Deutschland begleitet.
Auch politisch sorgt der Fall inzwischen für Reaktionen. Der Ulmer Grünen-Bundestagsabgeordnete Marcel Emmerich hat sich an das Auswärtige Amt und die Deutsche Botschaft gewandt. Er fordert ein rechtsstaatliches und faires Verfahren für den Ulmer. Auch der Biberacher CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Dahler soll sich nach Angaben der Familie mit dem Fall beschäftigen.
Das Auswärtige Amt hat inzwischen bestätigt, dass der Haftfall bekannt ist. Mitarbeiter vor Ort würden Ferdi Soylu konsularisch betreuen. Weitere Angaben macht das Ministerium mit Verweis auf Datenschutz und Persönlichkeitsrechte nicht.
Für die Familie steht nun zunächst der direkte Kontakt zu dem 46-Jährigen im Mittelpunkt. Noch an diesem Mittwoch hofft sie auf ein erstes Telefongespräch, wie die Südwest Presse berichtet. Dafür hat Soylus Schwester, die in Bursa lebt, ihre Telefonnummer bei den türkischen Behörden registrieren lassen. Sollte das Gespräch zustande kommen, sollen auch Soylus Frau und seine Kinder in Deutschland zumindest mithören können.
Am Donnerstag will die Schwester außerdem von Bursa nach Ankara fahren. Dort ist nach Angaben der Familie ein Besuch im Gefängnis geplant.