Ulmer NS-Zeitzeuge Fritz Bauknecht verstorben

Jugendwiderstand während der NS-Zeit

Mit Fritz Bauknecht ist ein Ulmer gestorben, dessen Lebensgeschichte eindrucksvoll zeigt, dass Widerstand auch in jungen Jahren möglich war. Ein kurzer Nachruf auf Basis von Dr. Nicola Wenge.

Geboren am 24. Dezember 1927 in Ulm spürte er früh, dass der nationalsozialistische Drill nicht sein Weg sein würde. Schon als Zehnjähriger entzog er sich dem Dienst in der Hitlerjugend.

Jugendwiderstand von Ulm

An der Kepler-Mittelschule fand er in Reinhold Settele und Heinz Feuchter Freunde, mit denen er sich politisch entwickelte und Haltung gewann. Gemeinsam begannen die Jugendlichen, sich dem Regime entgegenzustellen: mit Parolen an Wänden, dem Hören von „Feindsendern“ und kleinen Sabotageakten gegen den Krieg. Als Fritz Bauknecht gefragt wurde, warum er nicht zum HJ-Dienst komme, antwortete er schlicht: „Weil ich das ablehne. Ich will Freiheit, Demokratie und Frieden.“

Dass er für diesen Mut nicht verhaftet oder Schlimmeres erleiden musste, war auch dem Schutz seines Umfelds zu verdanken. Kurz vor Kriegsende desertierte er gemeinsam mit Reinhold Settele und versteckte sich auf der Alb. Am 24. April 1945, dem Tag der Befreiung Ulms durch die US-Armee, kehrte der 17-Jährige mit dem Fahrrad in seine Heimatstadt zurück.

Als Zeitzeuge aktiv

Die Erfahrungen von Diktatur und Krieg prägten ihn ein Leben lang. In der Nachkriegszeit trat er der SPD bei und engagierte sich in der Jugendarbeit. Auch nach seinem Wegzug aus Ulm, in die Schweiz und später nach Italien an den Gardasee, blieb er der Stadt eng verbunden. Seit den 1980er Jahren berichtete er als Zeitzeuge jungen Menschen von seinem Leben im Nationalsozialismus, oft gemeinsam mit seinen beiden Freunden. 2013 übergab er seine Erinnerungen dem Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg – aus dem Wunsch heraus, dass nichts „weggekehrt“ werde, was gewesen ist.

In Ausstellungen an der Volkshochschule in Ulm und in der Schweiz bleibt sein Engagement für den Jugendwiderstand sichtbar. Die Todesanzeige von Bauknecht wurde von seiner Familie am 3. Februar veröffentlicht.

Das könnte Dich auch interessieren

09.02.2026 Streaming-Tipp: Der Schneider von Ulm Viele in Ulm kennen den Flugpionier Albrecht Ludwig Berblinger besser als den berühmten „Schneider von Ulm“. Jetzt gibt’s den Spielfilm über diese historische Figur kostenlos im Netz – und zwar legal. 18.08.2025 Naturmuseum Ulm erhält umfangreiches Herbarium mit rund 7.500 Pflanzen Die neuen Exemplare werden digital erfasst und vorsichtig in die bestehende Sammlung eingepflegt. Einige Ordner sollen auch ausgestellt werden. 14.03.2026 Ratiopharm Ulm zittert sich zum Heimsieg Nach dem Derby-Sieg gegen Ludwigsburg setzt Ratiopharm Ulm seinen Heim-Lauf in der Basketball-Bundesliga fort. Gegen Aufsteiger Science City Jena musste der Vizemeister zwar bis in die letzten Sekunden zittern, behält aber am Ende die Punkte in der ratiopharm arena. 14.03.2026 Ulm: Weitere Baustellen fordern weitere Geduld Dazu gehören der Umbau des Ehinger Tors, der Umbau mehrerer Fernwärme-Leitungen und die Erneuerung des Abwasserkanals unter der Olgastraße. Manche der Bauarbeiten werden zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führen. Die Stadt und die beteiligten Unternehmen informierten über die Details. Wallstraßenbrücke Der riesige Kran, der den Westteil der Wallstraßenbrücke abgerissen hat, ist größtenteils abgebaut. Nördlich der Brücke werden