Volkshochschulen der Region starten Programm für Ganztagesbetreuung

Vielseitige Kursangebote

Der Fachkräftemangel trifft seit Jahren auch die Bildungsbranche, jetzt wehren sich die Volkshochschulen der Region. Auf den Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung in der ersten Klasse reagieren sie mit einem Großprojekt.

Zum 1. August 2026 bekommen Eltern einen Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung für Grundschulkinder der ersten Klasse. Bis 2029 soll das Gesetz dann auch für die Klassenstufen zwei bis vier eingeführt werden. Darauf reagieren die Volkshochschulen der Region im Schulterschluss und unterzeichneten den Vertrag zur Zusammenarbeit in den Räumen der VH Ulm.

Partnerschaft im großen Rahmen

Das Angebot umfasst eine große Auswahl an individuellen Weiterbildungskursen, als auch einige Module für Quereinsteiger. Um das Großprojekt stemmen zu können, wurden aus Konkurrenten Partner.

Teil der Vereinigung sind die Volkshochschulen aus Ulm, Ehingen, Laichingen-Blaubeuren-Schelklingen und dem Alb-Donau-Kreis, sowie die Familien-Bildungsstätte Ulm und die Akademie für Wissenschaft, Wirtschaft und Technik an der Uni Ulm. Erstere bieten dabei übergreifend die Kompetenzen der Referenten für alle Kurse an, die Uni Ulm stellt eine digitale Alternative bereit.

Kritik an der Landesregierung

Der Erlass zur Ganztagesbetreuung hat die Kommunen unvorbereitet getroffen, an vielen Schulen herrscht bereits generell ein Mangel an Fachkräften. Nun muss in Grundschulen auch am Nachmittag eine pädagogische Betreuung gewährleistet sein. Teils fehlen dafür auch die Räume.

Dr. Christoph Hantel, Leiter der Volkshochschule Ulm, kritisiert dabei Bund und Länder: „Von der Landesregierung kommen keine klaren Signale was die Qualifikation der Fachkräfte betrifft. Wir haben beschlossen, den Spieß umzudrehen und Angebote zu machen.“ Das Bündnis ist ein Novum in Baden-Württemberg und soll landesweit für Anregung sorgen.

Hantel hofft, dass wenn in den Kommunen und Städten das Angebot positiv ankommt, die Länder nachziehen werden.

Vermittlung von pädagogischen Grundkenntnissen

Inhaltlich werden dabei Kernkompetenzen der pädagogischen Grund- und Weiterbildung abgedeckt. Über eine Website können die Module individuell zusammengestellt werden. Aber auch Quereinsteiger sollen angelockt werden, die Schnellkurse sind dank der Zusammenarbeit nicht nur für Schulen und Kommunen, sondern auch für Einzelpersonen bezahlbar.

Hier können teilweise innerhalb von drei Tagen mit je acht Einheiten Kernkompetenzen für die pädagogische Arbeit vermittelt werden. Für das Absolvieren der Kurse wird ein Teilnehmerzertifikat der sechs Bündnispartner ausgegeben. „Auf dem Zertifikat steht genau drauf, was inhaltlich gemacht wurde. Sollte eines Tages ein Richtlinie des Landes zur einheitlichen Qualifikation kommen, können die Absolventen genau sehen, welche Unterrichtseinheiten abgedeckt sind und was noch aussteht“, so Claudia Clages, Leiterin der Ulmer Familien-Bildungsstätte.

Digitaler Ansatz

Die Kurse finden größtenteils in den Räumen der Volkshochschulen statt. Wer die Lehrgänge nicht vor Ort besuchen kann, für den bietet die Uni Ulm eine digitale Lösung an. Patrick Albus von der Akademie für Wissenschaft, Wirtschaft und Technik stellt vor allem den zeitlichen Aspekt in der Vordergrund: „Wer Interesse an einer Aus- oder Weiterbildung in der Ganztagesbetreuung hat, aber keine ganzen Tage für die Kurse aufwenden kann, der findet bei uns die digitale Variante, die jeder in seinem Tempo angehen kann.“ Dieses Angebot gilt deutschlandweit.

Schon vor dem Launch der Website haben die Partner Positives zu vermelden. An der Volkshochschule in Blaubeuren gingen bereits zehn Anmeldungen ein, in Ulm derer 18.

 

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