Am Montag haben rund 2.500 Beschäftigte bei Daimler Buses in Neu-Ulm ihre Arbeit niedergelegt. Vor Ort fand auch eine Kundgebung statt. Weitere Warnstreiks gab es bei Kamag Transporttechnik in Ulm und Albert Handtmann Elteka in Biberach mit rund 200 Streikenden.
Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie. Nachdem die Friedenspflicht am 1. November ausgelaufen war, hatte die IG Metall zu Warnstreiks aufgerufen.
Die Gewerkschaft fordert für die rund 900.000 Beschäftigten der Branche in Baden-Württemberg eine Lohnerhöhung von fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.In den ersten beiden Verhandlungsrunden konnten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft nicht wesentlich annähern. Die IG Metall kritisiert das bisherige Angebot der Arbeitgeber als unzureichend.
Südwestmetall bietet eine Einmalzahlung von durchschnittlich 700 Euro im Juli 2027 sowie eine Lohnerhöhung von 1,3 Prozent ab Juli 2028 an. Der Tarifvertrag soll bis Ende 2028 laufen. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Unternehmen mit einer Nettoumsatzrendite von weniger als 2,3 Prozent könnten die Einmalzahlung verschieben oder unter bestimmten Voraussetzungen ganz streichen.
Der Arbeitgeberverband Südwestmetall hält die Warnstreiks angesichts der wirtschaftlichen Lage für den falschen Weg. „Die Lage unserer Industrie ist äußerst kritisch“, erklärt Oliver Wirth, Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe Ulm. Er fordert die IG Metall auf, Lösungen am Verhandlungstisch zu suchen.
Nach Angaben des Arbeitgeberverbands sind seit 2019 bundesweit rund 350.000 Arbeitsplätze in der Metall- und Elektroindustrie weggefallen, davon fast 100.000 in Baden-Württemberg. Südwestmetall warnt vor einem weiteren Stellenabbau, sollten die Kosten für die Unternehmen nicht sinken. Das vorgelegte Tarifangebot bezeichnet Wirth als fairen Vorschlag, der auch die wirtschaftlich angeschlagenen Betriebe berücksichtige.
Die Positionen liegen weiterhin deutlich auseinander. Während die IG Metall mit Warnstreiks Druck für höhere Löhne machen will, fordert Südwestmetall angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten mehr Zurückhaltung. Wann sich beide Seiten auf einen neuen Tarifvertrag einigen können, ist derzeit offen.