In den vier betroffenen Waldgebieten müssen deshalb zehn Waldameisenvölker umgesiedelt werden. Dafür ist Ameisenheger Franz Gegetz seit rund 30 Jahren ehrenamtlich im Einsatz. Waldameisen stehen zwar unter Naturschutz, doch nach Einschätzungen des Ameisenhegers greift dieser Schutz in der Praxis oft zu kurz.
Für ihn ist es eher ungewöhnlich, dass bei Bauprojekten so genau auf Ameisen geschaut wird. Im Fall der A8 hat der Planer frühzeitig daran gedacht und den Ameisenheger kontaktiert. Dieser zieht nun nicht nur die Nester direkt auf dem Baufeld um, sondern auch die Völker in der Nähe. Denn wenn die Bäume fallen, wird der Wald heller. Die Ameisen würden dann auf die freie Fläche ziehen und könnten dort nicht überleben.
Ein Umzug mit Geduldsprobe
Ein Waldameisenvolk kann aus bis zu einer Millionen Ameisen bestehen und mehrere tausende Königinnen haben. Deshalb ist ein Umzug nicht mit einem einzigen Einsatz erledigt. „Man bekommt nicht sofort alle Ameisen“, erklärt Franz Gegetz. Über Wochen kehrt er immer wieder zum alten Standort zurück und schöpft nach. Denn zurückgebliebene Königinnen sind bereits dabei, neue Nester zu bauen.
Der Ablauf ist zu Beginn immer gleich: Zunächst füllt Franz eine Tonne mit Ästen, Laub und Nadeln, damit die Ameisen später nicht von ihrem eigenen Baumaterial erdrückt werden. Anschließend schöpft er die Tiere per Hand hinein. Handschuhe und die passende Kleidung sind dabei unverzichtbar, denn die Ameisen verteidigen ihr Nest sofort. Haben sie sich tiefer in den Boden zurückgezogen, kommen Schaufel, manchmal auch Hacke oder Kettensäge zum Einsatz. Anschließend werden die Tiere zum neuen Standort gebracht.
Warum Waldameisen wichtig sind
Waldameisen sind kleine Tiere mit großer Bedeutung für den Wald. Sie fördern den Nährstoffkreislauf, tragen zur Artenvielfalt bei und unterstützen damit wichtige Aufgaben des Waldes: die Sauerstoffproduktion, die Wasserproduktion und -speicherung sowie die Holzproduktion. Deshalb bildet Franz jedes Jahr neue Ameisenschützer aus.
Ameisen mit allen Sinnen erleben
Wer mehr über die kleinen Helfer erfahren möchte, kann am Sonntag, den 9.08 eine Ameisenausstellung von Franz im Gemeindearchiv Elchingen besuchen. Von 9 bis 17 Uhr können Besucher die Welt der Ameisen mit allen fünf Sinnen erleben: sehen, hören, riechen, fühlen und sogar schmecken. Beim sogenannten „Melken“ geben die Ameisen eine süße Flüssigkeit ab, ohne dass ihnen dabei etwas passiert. Zusätzlich gibt es ein Elektronik-Spiel, ein Mikroskop, mit dem Ameisenpräparate und ähnliche Tiere betrachtet werden können und ein Ameisenquiz, bei dem das gesammelte Wissen auf die Probe gestellt wird.