Einen Arbeitsvertrag lesen, einen Brief vom Amt verstehen oder eine Bewerbung schreiben: Was für viele selbstverständlich klingt, kann für Menschen mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen schwierig werden.
Eine Sonderauswertung der Universität Hamburg auf Basis der internationalen PIAAC-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland rund 20 Prozent der Erwachsenen zwischen 16 und 65 Jahren nur über geringe Lese- und Schreibkompetenzen verfügen. Das entspricht etwa 10,6 Millionen Menschen.
Auch andere Länder stehen vor diesem Problem. In Österreich ist der Anteil laut der Hamburger Auswertung zwischen 2012 und 2023 sogar deutlich gestiegen.
Gerade Smartphones und KI-Anwendungen können für Betroffene einiges erleichtern. Texte können beispielsweise fotografiert und anschließend vorgelesen oder in einfachere Sprache übertragen werden.
Auch Sprachsteuerungen können helfen. Statt eine längere Nachricht zu tippen, lässt sie sich diktieren. Fremdsprachige Texte können übersetzt und vorgelesen werden. Und wer Schwierigkeiten beim Formulieren einer E-Mail hat, kann sich von einem KI-Assistenten einen Textvorschlag erstellen lassen.
Das kann beispielsweise bei Behördenbriefen, Onlineformularen, Bewerbungen oder Nachrichten eine Unterstützung sein.
Interessant dabei: Menschen mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen nutzen Computer zwar seltener, Smartphones und Sprachnachrichten aber ähnlich häufig oder teilweise sogar häufiger als Menschen mit höheren Kompetenzen.
Die Möglichkeiten helfen allerdings nur dann, wenn die nötige Technik vorhanden ist und die Anwendungen auch bedient werden können.
Auswertungen der „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ zeigen einen Zusammenhang zwischen geringen Grundkompetenzen und digitaler Benachteiligung. Fehlende Geräte, eingeschränkter Internetzugang oder mangelnde Unterstützung beim Umgang mit digitalen Angeboten können dazu führen, dass ausgerechnet diejenigen weniger von neuen Technologien profitieren, die besonders stark auf Unterstützung angewiesen wären.
Das Problem wird größer, weil immer mehr Bereiche des Alltags digital werden – vom Online-Banking über Bewerbungen bis hin zu Dienstleistungen von Behörden.
Hinzu kommt das Thema Datenschutz. Sprachassistenten und KI-Dienste müssen Sprache, Bilder oder Texte verarbeiten, damit sie funktionieren können. Je nach Dienst und Einstellungen können dabei Daten auch an Server der Anbieter übertragen werden.
Gerade lange und kompliziert formulierte Datenschutz- und Einverständniserklärungen können für Menschen mit Leseschwierigkeiten eine zusätzliche Hürde darstellen.
KI kann damit einen wichtigen Beitrag zur Barrierefreiheit leisten. Entscheidend ist aber, dass die Anwendungen einfach zu bedienen, bezahlbar und verständlich erklärt werden – damit digitale Hilfe nicht selbst zur nächsten Barriere wird.