Wieder Ärger um die Ulmer Mohrengasse! Und wer ist dieser heilige Mauritius?

Graffiti, Schilder, Rassismus und Wertschätzung

Wieder gibt es Ärger um die Ulmer Mohrengasse! Die einen wollen eine Umbenennung, die anderen sehen in der angebrachten Erklärtafel eine Lösung. Und: Wer war eigentlich dieser heilige Mauritius, von dem dann plötzlich alle reden?

Wieder Ärger um die Ulmer Mohrengasse! Die Stadt Ulm musste wieder ein Graffiti an der Mauer neben dem Straßenschild teuer entfernen und die Erklärtafel daneben reinigen lassen, die war erneut komplett schwarz übergesprüht. Mit dem Graffiti fordern Unbekannte weiter die Umbenennung der Gasse.

Graffiti und Schilder

Im Herbst 2021 wurde nach langer Debatte um Rassismus und Stereotype eine Erklärtafel angebracht, die den Bezug der Mohrengasse zum einst dort ansässigen „Gasthaus zum Mohren“ herstellt. Das Gasthaus hatte seinen Namen schon 1786 und sich wahrscheinlich von der Mohrenapotheke inspirieren lassen, die gibt es seit 1558 in Ulm. Beides soll wohl auf die Verehrung des heiligen Mauritius zurückgehen.

Dieser wurde der Legende nach um 300 nach Christus in der heutigen Schweiz als Befehlshaber mitsamt seiner revoltierenden römischen Legion hingerichtet. Frühe Darstellungen des Schutzheiligen zeigen ihn allerdings als weißen Mann in römischer Rüstung, erst später wird er als Farbiger dargestellt. Als explizit Schwarzer Heiliger sogar erst um das Jahr 1100. Welche Hautfarbe er wirklich gehabt haben könnte ist völlig unklar, vermutlich stammt die Person hinter der Legende aus dem Gebiet des heutigen Syrien, wie es heißt.

Rassismus und Stereotype

Warum wurde der Schutzheilige „plötzlich“ schwarz? Historiker vermuten dahinter Missions-Propaganda, um nicht-christliche Bevölkerungen zu missionieren. So gab es schwarz- und weißhäutige Darstellungen des hl. Mauritius, meist als edlen Ritter. Noch viel später erst wurde der „edle Ritter“ zum „edlen Wilden“ – und damit immer mehr zur stereotypen Karikatur, spätestens im 19. Jahrhundert mit seinem wachsenden Sklavenhandel, an der sich die Geister heute scheiden.

Zurück zum Streit um die Mohrengasse: Macht ein alter Gasthaus-Name alles besser? Das Afrodeutsche Forum Ulm/Neu-Ulm sieht im Begriff Mohr jedenfalls eine klare Beleidigung und ein Zeichen von Rassismus und Sklavenhandel, auch weil wir heutzutage solche Begriffe zweifellos damit verbinden. Ob mit oder ohne den Schutzheiligen.

Wertschätzung und Zwiespältigkeit

Etymologisch soll das Wort Mohr auch auf das griechische moros zurückgehen, das töricht und auch dumm bedeuten soll. Auch geht es auf das lateinische maurus zurück, das für schwarz, dunkel und afrikanisch steht.

Es wird aber auch oft von einer Wertschätzung gesprochen, da das Wort Mohr auch im Kontext mit großem medizinischen Wissen im öffentlichen Raum zu verstehen sei. Historisch sind die Bewohner Mauretaniens (Mauren) so bezeichnet worden. Aber schon im Mittelalter wurden verallgemeinert Menschen mit dunkler Hautfarbe Mohren genannt. Seit dem 16. Jahrhundert wird der Begriff nur noch in dieser erweiterten Bedeutung verwendet.

Seit etwa 1960 wird auf die Zwiespältigkeit des Wortes zwischen historischer Entwicklung und Verwendung als stereotype Bezeichnung hingewiesen, die eine bestimmte Vorstellung von einem Schwarzen weckt, was zu den laufenden Diskussionen um den diskriminierenden Charakter des Wortes geführt hat. Und zum Ärger um die Ulmer Mohrengasse.

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