Der Brauch, im Frühling zu putzen, ist tatsächlich kein moderner Trend, sondern wird in vielen Kulturen praktiziert und ist jahrhundertealt. Im Judentum beispielsweise wird vor dem Pessachfest alles gründlich gereinigt und in Thailand reinigen Wasserfeste symbolisch vom alten Jahr. Eine der ältesten Traditionen findet sich bei den Römern, die im Februar ein Reinigungsfest feierten.
Zudem war es früher schlichtweg notwendig, denn nach dem Winter waren die Häuser durch den Ruß der Kerzen und Öfen verdreckt. Deshalb fing man an zu putzen, sobald im Frühling die Sonne wieder mehr Licht spendete und die Luft frischer wurde.
Aus diesem Grund steht der Frühjahrsputz auch für eine Art Neuanfang. Nach dem dunklen, kalten Winter, der oft mit Stillstand assoziiert wird, bringt der Frühling neues Leben, Licht und Energie. Mit dem Putzen und Ausmisten schafft man eben nicht nur Ordnung im Haus, sondern auch im Kopf.
Auch unser Körper ist bereit für einen Neustart und mehr Energie: Im Winter fehlt uns oft die nötige Entschlossenheit, um uns aufzuraffen und zu putzen. Im Frühling jedoch werden die Tage länger und die Produktion von Melatonin, dem Hormon, das uns müde macht, sinkt. Dadurch fühlen wir uns wacher und haben plötzlich Lust, aufzuräumen. Denn obwohl wir schon lange nicht mehr mit Kerzen und Öfen heizen, hat der Frühjahrsputz etwas Befreiendes an sich, weil man so mehr Platz für Neues hat.
Beim Frühjahrsputz arbeiten also Tradition, Kultur und Biologie zusammen.