Bayern entwickelt sich zu einem der wichtigsten Raumfahrtstandorte Europas. Mit Isar Aerospace bei München und der Rocket Factory Augsburg haben sich gleich zwei Unternehmen aus dem Freistaat für die „European Launcher Challenge“ qualifiziert. Ihnen winken Aufträge im Wert von jeweils bis zu rund 200 Millionen Euro.
Europa will unabhängiger ins All kommen und fördert deshalb neue Raketenprojekte. Im Rahmen der „European Launcher Challenge“ hat die Europäische Raumfahrtagentur ESA Unternehmen gesucht, die künftig Satelliten zuverlässig ins All bringen können.
Zwei der vier ausgewählten Firmen kommen aus Bayern: Isar Aerospace aus dem Raum München und die Rocket Factory Augsburg, kurz RFA. Voraussetzung für die Auswahl war unter anderem, dass die Unternehmen spätestens Ende 2027 eine Rakete ins All bringen können. Bis Ende 2028 sollen die Trägerraketen regelmäßig einsatzbereit sein.
Isar Aerospace hat bereits einen wichtigen Schritt geschafft: Das Unternehmen hat seine Rakete „Spectrum“ erfolgreich gestartet. Die Rocket Factory Augsburg will mit ihrer Rakete ebenfalls noch in diesem Jahr abheben.
Die Rocket Factory Augsburg arbeitet eng mit dem Raumfahrtkonzern OHB zusammen. Damit trifft bei dem jungen Unternehmen frischer Gründergeist auf jahrzehntelange Erfahrung im Raketenbau.
Die Raumfahrtindustrie hat in Bayern eine lange Tradition. Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren entwickelte Messerschmitt-Bölkow-Blohm in Ottobrunn Bauteile für europäische Raketen und Satelliten. Dieses Wissen wird bis heute weitergegeben.
Das zeigt sich auch bei ArianeGroup in Ottobrunn. Dort entstehen neue Triebwerke, die mehrere Flüge überstehen sollen. Sie könnten künftig in wiederverwendbaren Raketen des französischen Unternehmens Maiaspace eingesetzt werden, das ebenfalls für die europäische Förderung ausgewählt wurde.
Im internationalen Raketenmarkt liegt Europa derzeit deutlich hinter den USA. Vor allem das Unternehmen SpaceX hat mit seiner teilweise wiederverwendbaren Falcon-9-Rakete die Raumfahrt verändert. Große Teile der Rakete können nach einem Flug landen und erneut eingesetzt werden. Dadurch sinken die Kosten und deutlich mehr Starts werden möglich.
Europas Ariane 6 ist dagegen bislang nicht wiederverwendbar. Jede Rakete muss für einen Start neu gebaut werden. Deshalb arbeitet die europäische Raumfahrtindustrie an neuen Triebwerken und Raketenstufen, die mehrfach genutzt werden können.
Im Großraum München sollen inzwischen – je nach Zählweise – zwischen 100 und 200 Raumfahrt-Start-ups sitzen. Die meisten bauen keine kompletten Raketen, sondern entwickeln Satelliten, Antriebssysteme oder Raumkapseln für den Transport von Menschen und Fracht.
Die Region profitiert dabei von Hochschulen, erfahrenen Raumfahrtunternehmen und europäischen Förderprogrammen. Auch Augsburg spielt eine wichtige Rolle: Neben der Rocket Factory werden dort unter anderem Bauteile für die europäische Ariane-6-Rakete gefertigt. Damit entwickelt sich Bayern immer stärker zu einem der wichtigsten Raumfahrtstandorte Europas.