Pflegenotstand in Ulm!

Service Dienstag, 20. November - 2018 17:00

Gemeinsam gegen den Pflegenotstand: in Ulm gehen heute Mittag Pflegerinnen und Krankenschwestern auf die Straße. Zwischen 12 und 14 Uhr protestieren sie auf dem Hans-und-Sophie-Scholl-Platz gegenüber dem Rathaus gegen schlechte Bezahlung und miserable Arbeitsbedingungen.

Carolyn Thomas ist ausgebildete Krankenschwester. Aktuell arbeitet die 34-jährige in der ambulanten Intensivpflege – sie weiß also, wovon sie spricht: „Eine Schicht mit 50 Patienten in einer Nacht und dabei nur eine Schwester im Altenheim – das hab ich erlebt. 50 Patienten – wie soll ich die denn alle trocken kriegen? Bei 15 muss man die Einlagen wechseln, 15 Patienten muss ich dreimal in der Schicht dokumentieren. Alles einzelne und individuelle Dokumentationen. Dann muss ich Medikamente herrichten. Und das ist jetzt ein Fall aus dem Altenheim, denen geht’s am schlechtesten. Aber in der Klinik ist es das gleiche Problem.“

Carlyn Thomas ist sich sicher, Personalmangel und Zeitdruck führen zwangsläufig zu Fehlern: „Sie kennen bestimmt auch einen Fall in ihrer Familie, bei dem etwas schlecht gelaufen ist. Bei dem aufgrund von Personalmangel ein Fehler unterlaufen ist. Ob es jetzt die Hygiene war, nicht richtig aufgeklärt wurde oder der Patient irgendwo hingeschoben wurde, zum Beispiel zu einer Untersuchung, die gar nicht hätte gemacht werden müssen, aber die Fallpauschale verbessert. Diese Fallpauschale ist sowieso ein Ärgernis. Da wird versucht, noch irgendwie Geld aus dem Patienten zu machen.

Es ist höchste Zeit aufzustehen und gegen die Missstände vorzugehen: „Jedesmal wenn eine Pflegekraft gestrichen wird, steigt die Fehlerquote. Da muss einfach was passieren. Wir leiden darunter – alle in den „Care-Berufen“, in den Kindergärten, in den Schulen und auch in den Altenheimen. Da ist der Personal-Bedarf extrem. Und da müssten alle mit hinstehen und demonstrieren und sagen: so geht’s nicht mehr weiter liebe Politik.“.

Thomas hat eine Selbsthilfegruppe für beruflich Pflegende in Ulm gegründet.  Neben praktischer Hilfe geht es auch darum, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken: „Es ist nicht fair, dass wir so viel von uns selbst opfern. Und da müssen wir Pflegekräfte uns einfach zusammentun. Und stolz drauf sein – proud to be a nurse – und das bin ich! Das müssen wir auch ausstrahlen. Dann bekommen wir auch unsere Kollegen wieder.“

Die Kundgebung auf dem Hans- und Sophie-Scholl-Platz beginnt um 12 Uhr.


Thomas Stieben arbeitet in der Klinik Günzburg. Auch er kennt denn Pflege-Notstand. Aus der Not hat er eine Tugend gemacht und seine Erfahrungen in einem Song geschildert, welcher momentan viral geht:


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