Dabei handelt es sich um verlorene Fischernetze, in denen sich Meerestiere verfangen und qualvoll sterben. Um diese Netze künftig besser aufzuspüren, testen die Forschenden ihre Technologie derzeit im Westbad Ulm.
Sonar statt Kamera
Geisternetze treiben im offenen Wasser oder liegen auf Wracks und Felsen. Unterwasseraufnahmen mit Kameras sind oft unbrauchbar, da Licht fehlt und das Wasser trüb ist. Eine Alternative bieten Sonare, die mithilfe von Ultraschall ihre Umgebung scannen.
Ziel der THU ist es, hochwertige Bilddaten zu erzeugen, ohne lange Scanvorgänge oder teure Spezialgeräte einsetzen zu müssen. Dafür werden mehrere Sonare kombiniert und auf autonomen Plattformen eingesetzt, etwa auf unbemannten Überwasserfahrzeugen oder Tauchrobotern. Durch verschiedene Blickwinkel sollen zudem sogenannte „Artefakte“, also Scheinobjekte ohne reale Entsprechung, herausgerechnet werden.
Testlauf im Hallenbad
Im Westbad wurde dieses Konzept jetzt praktisch erprobt. Der Versuch bildet den Kern der Doktorarbeit von Sabrina Lennartz. Betreut wird sie von Prof. Dr. Hubert Mantz und Prof. Dr. Thomas Walter. „Die Chancen, die sich uns hier bieten, sind großartig. Durch die Arbeit von Sabrina sind wir hoffentlich in einigen Jahren so weit, aktiv bei der Bekämpfung der Geisternetze in unseren Meeren mitzuhelfen“, so Mantz. Gefördert wird das Projekt über „NemoSens“ vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg sowie „SEAFRAME“ aus der Schweiz.
Warum ein Hallenbad? In einer kontrollierten Umgebung lassen sich Sonare exakt positionieren und bekannte Testobjekte gezielt auslegen. Auf offenem Meer wären Wellengang und ungenaue GPS-Daten zusätzliche Störfaktoren. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Das ausgelegte Netz konnte in den Sonar-Scans eindeutig identifiziert werden. Auch der THU-Tauchroboter „Manni“, ausgestattet mit Unterwassernavigation und Fächersonar, wurde erfolgreich getestet.