Zum 40. Jahrestag des Atomunfalls in Tschernobyl widmen sich internationale Künstler mit einer Fotoausstellung dem Thema. Karla Nieraad, Leiterin das Stadthauses Ulm, betont jedoch, dass es sich keineswegs um eine Retrospektive handelt. Vielmehr stellt die Katastrophe die Aktualität der Debatte um Atomkraft, die damit verbundenen Risiken und die Endlagerung des Atommülls heraus. Die Ausstellung zeigt verschiedene Herangehensweisen und Perspektiven.
Eine große Rolle nimmt dabei die Rückeroberung des Sperrgebietes rund um den Reaktor durch die Tier- und Pflanzenwelt ein. Die Werke stellen die existenzielle Frage in den Raum, ob die Natur trotz des Atomunfalls oder gerade deshalb florieren konnte. Einen wichtigen Faktor stellt der Rückzug menschlicher Zivilisation im Radius von 30km um den Reaktor dar. Familienfotos, Passbilder und Postkarten bedecken die Wände des Stadthauses und erinnern an eine andere Zeit. Sie wurden beim überhasteten Aufbruch von den ehemaligen Bewohnern zurücklassen und später von den Künstlern aus der Sperrzone gerettet. Nicht zuletzt thematisiert die Ausstellung auch den regionalen und überaus aktuellen Bezug Ulms und Schwabens zu Atomkraft. Auch nach der Sprengung des Atomkraftwerks in Gundremmingen bleibt das Thema relevant. Nicht zuletzt gibt es derzeit Untersuchungen, ob sich die Schwäbische Alb als Atommüllendlager eignet. Eine Entscheidung wird allerdings erst 2050 erwartet.
Zwischenzeitlich lohnt es sich jedoch, der aktuellen Stadthausausstellung bis zum 25. Mai noch einen Besuch abzustatten. Das geht montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und sonntags ab 11 Uhr. Der Eintritt ist frei.