Wer während der Fahrt kurz aufs Handy schaut, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern auch schwere Unfälle. In Baden-Württemberg war Ablenkung am Steuer nach Angaben des Innenministeriums zuletzt Ursache für knapp jeden zehnten tödlichen Unfall. Jetzt prüft das Land, ob sogenannte Handyblitzer künftig auch im Südwesten eingesetzt werden könnten.
Die Technik ist im Koalitionsvertrag von Grünen und CDU bereits Thema: Der Einsatz solcher Kameras soll geprüft werden. Laut Innenministerium geht es dabei auch um die Frage, welche rechtlichen Grundlagen nötig wären, damit die Polizei die Technik in Baden-Württemberg nutzen darf.
Im Nachbarland Rheinland-Pfalz sind die sogenannten Monocams bereits im Einsatz. Seit März 2025 gibt es dort eine gesetzliche Grundlage dafür. Die Kameras filmen Autofahrer von erhöhten Standorten aus, zum Beispiel von Autobahnbrücken. Schilder am Straßenrand weisen auf die Kontrollen hin.
Das System erkennt mithilfe Künstlicher Intelligenz, ob ein Fahrer ein Handy oder ein anderes elektronisches Gerät in der Hand hält. In solchen Fällen wird ein Foto gespeichert. Danach prüfen Polizisten, ob tatsächlich ein Verstoß vorliegt. Ist keine verbotene Nutzung zu erkennen, werden die Daten gelöscht.
Bei einem Test des Systems im Jahr 2022 wurden in Rheinland-Pfalz innerhalb von 90 Tagen mehr als 1.200 Autofahrer festgestellt, die während der Fahrt ein mobiles Gerät in der Hand hatten.
In Baden-Württemberg wurden die Kameras bislang noch nicht getestet. Wann die Prüfung abgeschlossen ist, kann das Innenministerium derzeit noch nicht sagen. Autofahrer im Südwesten müssen also offenbar nicht sofort mit den neuen Kontrollen rechnen.
Der ADAC zeigt sich grundsätzlich offen für die Technik. Wer während der Fahrt sein Smartphone nutze, gefährde sich und andere, sagte ein Sprecher des ADAC Württemberg. Damit Verstöße wirksam geahndet werden können, brauche es eine hohe Kontrolldichte. Gleichzeitig müsse beim Einsatz von Kameras der Datenschutz besonders beachtet werden.
Wer mit dem Handy am Steuer erwischt wird, muss in Deutschland mindestens 100 Euro Bußgeld zahlen und bekommt einen Punkt in Flensburg. Wird dabei jemand gefährdet, steigt das Bußgeld auf 150 Euro. Bei einem Unfall mit Sachschaden werden 200 Euro fällig. In beiden Fällen kommen zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot dazu.
Für Fahranfänger in der Probezeit hat ein Handyverstoß weitere Folgen: Die Probezeit wird um zwei Jahre verlängert, außerdem wird ein Aufbauseminar fällig.
Ablenkung bleibt auf den Straßen ein großes Risiko. Neben dem Handy können auch Essen, Trinken oder Rauchen gefährlich werden.