Geschäftsführer Markus Mössner stand ratlos vor der Anzeigetafel. Die Entwicklung an den Ölmärkten gab keinen Anlass für die drastische Erhöhung. Eine Waffenruhe im Iran-Krieg hatte die Ölpreise sogar deutlich fallen lassen.
Die Hintergründe des Preissprungs bleiben unklar. Weltpolitisch deutete alles auf eine Entspannung hin. Eine 14-tägige Waffenruhe im Iran-Konflikt wurde vereinbart. Die Straße von Hormus war wieder für Tanker frei. Hunderte Schiffe setzten ihre Fahrt fort. Die Rohölnotierungen für Brent und WTI fielen deutlich. Doch diese Entwicklung kam nicht an der Zapfsäule an. Stattdessen stiegen die Preise weiter.
Um Punkt 12 Uhr schnellten die Preise in Seligweiler hoch. Diesel kostete plötzlich 2,539 Euro pro Liter. Das war ein Plus von 13 Cent. E10 verteuerte sich um 9 Cent auf 2,249 Euro. Nur 30 Minuten später gab es eine leichte Korrektur. Die Preise sanken wieder um einige Cent. Der Ärger bei den Kunden war dennoch groß. Viele fragten sich, wie das sein kann.
Die Mitarbeiter an der Kasse bekommen den Frust direkt ab. „Der erste Ansprechpartner ist der Mitarbeiter vor Ort“, sagt Mössner. Er ist einer der drei Geschäftsführer in Seligweiler. Doch er kann die Fragen der Kunden nicht beantworten. „Die Preise werden woanders gemacht“, erklärt er. Die Tankstellenpächter hätten keinerlei Einfluss auf die Preisgestaltung, die Preise werden von den Mineralölgesellschaften ferngesteuert an den Tankstellen festgelegt.
Die Kunden reagieren laut Mössner meist gefasst. Viele seien Urlauber auf der Durchreise. Sie müssten tanken, um an ihr Ziel zu kommen. „Letztendlich muss man ja tanken, geht ja nicht anders.“ Eine wirkliche Alternative gäbe es für die meisten nicht. Die Stimmung sei gedrückt, aber die Notwendigkeit siege. Die Hoffnung auf bald wieder fallende Preise bleibt. Doch eine Garantie dafür gibt es nicht. Die Preispolitik der Konzerne bleibt für die Kunden undurchsichtig.
Die Zukunft der Mobilität sieht er dennoch im Strom. „Mittel-, langfristig, sicher die E-Mobilität“, ist Mössner überzeugt. Er selbst sei vom E-Auto wieder auf einen Verbrenner umgestiegen. Die Reichweite sei noch ein Problem. Aber er rechnet mit neuen Technologien. „Ich glaube, Feststoffzelle-Batterie wird kommen.“ Dann seien ganz andere Reichweiten möglich. Auch für den Schwerlastverkehr. Es gebe bereits Anfragen für Lkw-Ladesäulen. Die Entwicklung sei in vollem Gange. Für die Kunden an seiner Tankstelle ist das heute nur ein schwacher Trost. Sie zahlen die Zeche für eine unberechenbare Preispolitik.