Nachbarn über Jahre ausgespäht - Familie verurteilt

Geld- und Bewährungsstrafen

Systematisch soll eine Familie aus dem oberschwäbischen Weingarten ihre Nachbarn ausspioniert haben. Vor Gericht beteuern alle vier Mitglieder ihre Unschuld. Dann gibt es ein Urteil.

Weil sie über mehrere Jahre hinweg im oberschwäbischen Weingarten ihre Nachbarn belästigt und ausgespäht haben, ist eine Familie vom Amtsgericht Ravensburg zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Das Elternpaar und ihre beiden erwachsenen Töchter waren unter anderem wegen gemeinschaftlicher Nachstellung und Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes angeklagt.

Mit dem Urteil geht nicht nur für das Amtsgericht ein überaus ungewöhnlicher Prozess zu Ende. Mehr als 100-mal war die Polizei in den vergangenen 13 Jahren wegen des ausgeprägten Nachbarschaftsdisputs in Weingarten ausgerückt. Dutzende Strafanzeigen soll die Familie gestellt haben.

Nachbarn sprechen von «psychischem Terror»

Nach Aussage von Zeugen sollen Nachbarn auch bereits wegen der Familie umgezogen sein, andere sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft in psychologischer Behandlung. Nachbarn sprechen in Interviews von «psychischem Terror».

Die Familie soll es sich mit nahezu der gesamten Nachbarschaft verscherzt haben.

Bei einer Durchsuchung im Februar 2023 hatte die Polizei zahlreiche installierte Videokameras auf dem Grundstück der angeklagten Familie beschlagnahmt.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sollte die Nachbarschaft damit beobachtet und mögliche Vergehen angezeigt werden. Außerdem fanden die Beamten zahlreiche Datenspeicher und etwa 400 Liter Benzin.

Vater und Mutter der Familie sind laut Staatsanwaltschaft bereits vorbelastet.

Vor Gericht hatte sich die Familie bis zum Schluss vehement gegen die Vorwürfe gewehrt und eine andere Sicht der Dinge vertreten. Demnach gehörten ihre Nachbarn auf die Anklagebank und nicht sie.

Stundenlange Schlusswörter

In einer mehr als vierstündigen Abschlussrede wiesen alle vier angeklagten Familienmitglieder die Vorwürfe von sich. Sie seien die Opfer, nicht die Täter. Von ihren Nachbarn würden sie schon seit Jahren belästigt werden.

«Wir sind Christen und werden sehr verfolgt von unseren Nachbarn. So sieht der Sachverhalt aus», sagte die Mutter. Sie seien unschuldig.

Ihre 25 Jahre alte Tochter erklärte, dass sie mit Feuerfackeln verfolgt würden. Die Nachbarskinder würden angestiftet, mit Wasserpistolen auf ihr Haus zu schießen. Ein etwa 1,40 Meter hoher Penis aus Schnee sei vor ihrer Auffahrt aufgestellt worden.

Die Schwestern fühlten sich von den Nachbarn auch sexuell belästigt.

Dass die Schlussworte der Familie Zeit in Anspruch nehmen würden, konnte man schon beim Einlauf der vier erahnen. Alle hatten Sitzkissen dabei, mehr als vier Liter Wasser, stapelweise Redemanuskripte und zig sogenannte Beweisbücher, die das Stalking der Nachbarn beweisen sollten. Vor Gericht wurden auch Fotos gezeigt.

Richter: «Was läuft da falsch bei ihnen?»

Der Richter ließ sich davon nicht beeindrucken. Die Angeklagten würden die Schuld bei anderen suchen, der Impuls sei aber von ihnen gekommen. «Was läuft da falsch bei ihnen?»

Er verurteilte die Eltern zu je neun Monaten Haft auf Bewährung sowie jeweils 100 Sozialstunden. Die zwei Töchter bekamen Geldstrafen von 80 und 90 Tagessätzen in Höhe von je zehn Euro. Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig.

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