Biberach: Offener Brief gegen Streichung von Integrationskursen

Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt

Die geplante Streichung freiwilliger Integrationskurse sorgt auch in Biberach für scharfe Kritik. Engagierte aus Flüchtlingsarbeit und Bildung haben einen offenen Brief an Oberbürgermeister Norbert Zeidler geschickt. Sie unterstützen Zeidlers Kritik an der Streichung und warnen vor fatalen Folgen.

In Biberach sorgt die geplante Streichung freiwilliger Integrationskurse für deutliche Kritik. Engagierte aus der Flüchtlingsarbeit und dem Bildungsbereich haben einen offenen Brief an Oberbürgermeister Norbert Zeidler gerichtet und warnen vor weitreichenden Folgen für die Integration vor Ort.

Integration ist kein „Nice-to-have“

Hintergrund ist die Entscheidung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, die Finanzierung freiwilliger Integrationskurse einzuschränken. Die Unterzeichner des Briefes sehen dadurch zentrale Strukturen der lokalen Integrationsarbeit gefährdet.

Zu den Unterstützern zählen unter anderem die Jugend Aktiv e.V., die Bürgerstiftung Biberach mit ihren Initiativen „1:1 Mensch zu Mensch“ und „PAPIER.frieden“, die Diakonie sowie die Caritas.

Grundlage für den gesellschaftlichen Zusammenhalt

Die Unterzeichner betonen, dass ohne Sprachkurse die Integration deutlich erschwert werde und langfristig höhere Kosten entstehen. Integration sei die Grundlage für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Stadt, heißt es in dem Schreiben. Die Beteiligten unterstützen die Kritik des Oberbürgermeisters an der Entscheidung und fordern eine Rücknahme der Kürzungen.

Die Maßnahme stößt bundesweit überwiegend auf Kritik, während die Bundesregierung sie mit Kostendruck und einer stärkeren Steuerung der Integrationsangebote begründet.

Der offene Brief soll nun politischen Druck auf Landes- und Bundesebene erzeugen, um die Finanzierung der Kurse wiederherzustellen.

Der offene Brief im Wortlaut

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Zeidler,

Ihre scharfe Kritik an der aktuellen Entscheidung des Bundes, wie sie in der Schwäbischen Zeitung vom 22.03.2026 veröffentlicht wurde, können wir nicht nur vollumfänglich nachvollziehen – auch wir sind als Akteure vor Ort unmittelbar von den Konsequenzen betroffen.

Wir unterstützen daher Ihr Vorhaben, dieses Thema offensiv gegenüber den zuständigen Stellen zu adressieren, ausdrücklich. Um Ihrer Argumentation zusätzliches Gewicht zu verleihen, bieten wir Ihnen unsere aktive Unterstützung an. Konkret könnten wir die fatalen Folgen für unser Gemeinwesen anhand von Beispielfällen aus der Praxis untermauern.

Die Streichung trifft eben nicht nur eine abstrakte Zahl an Kursteilnehmern, sondern erschüttert ein ganzes System:

Die Lernwilligen: Menschen, die sich aus Eigenantrieb integrieren wollen, wird die Tür vor der Nase zugeschlagen.
Die Bildungsträger: Fachstrukturen und Lehrpersonal, die über Jahre mühsam aufgebaut wurden, drohen wegzubrechen.
Das Ehren- und Hauptamt: Ohne die Basis der Sprachvermittlung wird die Arbeit in der sozialen Betreuung und Begleitung massiv erschwert.
Die Volkswirtschaft: Jeder verhinderte Sprachkurs verzögert den Einstieg in den Arbeitsmarkt und verursacht langfristig deutlich höhere Sozialkosten.

Integration ist kein „Nice-to-have“, sondern die Grundvoraussetzung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Biberach. Ein Stopp auf unbestimmte Zeit ist ein bildungspolitischer Offenbarungseid, den wir gemeinsam nicht widerspruchslos hinnehmen sollten.

Auf einen erfolgreichen Austausch hoffen wir und danken Ihnen für Ihr Engagement!

Mit freundlichen Grüßen

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