Tödliche Schüsse nach Streit unter Nachbarn - Verdächtiger in U-Haft

Ein Nachbarschaftsstreit eskaliert. Drei Menschen sind tot, zwei verletzt. Der mutmaßliche Todesschütze sitzt in Untersuchungshaft. Ein eigentlich friedliches Dorf in Schwaben ist geschockt.

Einige Jahre soll der Streit in dem Mehrfamilienhaus schon gegärt haben. Doch es waren nur Einzelfälle, die die Polizei beschäftigten: mal ein Gerangel, mal Beleidigungen oder Drohungen, heißt es. Wieso der Streit nun so eskalierte, dass ein 64-jähriger Sportschütze mutmaßlich seine drei Nachbarn erschoss und zwei weitere Menschen schwer verletzte, können die Ermittler zwei Tage nach der Gewalttat im schwäbischen Langweid am Lech noch nicht beantworten.

Der Verdächtige sitzt seit Samstag in Untersuchungshaft. Der Vorwurf lautet Mord. Zwei der Todesopfer, eine 49-Jährige und ihre 52 Jahre alter Mann, hinterlassen ein minderjähriges Kind. Verwandte kümmern sich nun um den Jungen.

In den nächsten Tagen wollen die Ermittler den Tatablauf genau rekonstruieren und die Hintergründe des Verbrechens klären, sagte Polizeisprecher Markus Trieb am Sonntag. Dazu sollen die Zeuginnen und Zeugen erneut umfassend befragt werden.

Die Menschen in dem beschaulichen Dorf bei Augsburg sind auch am Sonntag noch fassungslos und entsetzt. «So was kann man sich hier nicht vorstellen», sagte Bürgermeister Jürgen Gilg (CSU). «Es ist ein ganz normaler Vorort, in dem man friedlich miteinander lebt.»

Mit gut 8900 Einwohnern ist Langweid am Lech so klein, dass man sich hier zumindest vom Sehen kennt. Der Nachbarschaftsstreit in dem Mehrfamilienhaus in der Schubertstraße sei dennoch nicht so bekannt gewesen, dass es Ortsgespräch gewesen sei, sagte Gilg. Er selbst wohne nur eine Straße vom Tatort entfernt.

Bereits am Freitagnachmittag, wenige Stunden vor der Tat, war die Polizei mal wieder wegen eines Streits unter den Nachbarn in dem Mehrfamilienhaus gerufen worden, an dem nach Angaben von Trieb auch der Verdächtige und die Opfer beteiligt gewesen waren. Der 64-Jährige sei aber nicht mehr anwesend gewesen.

Am Abend soll der Deutsche dann nach bisherigen Ermittlungen im Treppenhaus das Ehepaar erschossen haben. Eine 72-Jährige tötete er demnach mit einem Schuss durch die Wohnungstür. Anschließend soll er in einem Haus in der Hochvogelstraße eine 32-jährige Frau und einen 44-jährigen Mann ebenfalls mit einem Schuss durch die Wohnungstür schwer verletzt haben.

Diese beiden Opfer kamen ins Krankenhaus, schwebten aber nach Angaben der Polizei nicht in Lebensgefahr. Zwischen dem ersten Tatort und dem zweiten liegen mehrere Hundert Meter. Unmittelbare Nachbarn waren die zweiten Opfer also nicht. Nach den derzeitigen Erkenntnissen ist der 44-Jährige jedoch mit einem der Todesopfer aus der Schubertstraße verwandt.

Der Verdächtige floh nach der Tat mit seinem Auto. Kurz danach konnte die Polizei ihn stellen und festnehmen. Er leistete nach Angaben der Polizei keinen Widerstand. In seinem Auto und in seiner Wohnung fanden die Einsatzkräfte mehrere Waffen. Als Sportschütze besaß er der Polizei zufolge eine entsprechende waffenrechtliche Erlaubnis.

Die Initiative «Keine Mordwaffen als Sportwaffen» forderte mit Blick auf die Gewalttat erneut ein Verbot tödlicher Sportwaffen. «Das Risiko tödlicher Sportwaffen ist nicht beherrschbar», teilte der Sprecher der Initiative, Roman Grafe, mit.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann wies die Forderung zurück: «Eine weitere Verschärfung des Waffenrechts steht momentan nicht zur Debatte», erklärte er. Zunächst gelte es, die Hintergründe der Tat aufzuklären und «zu ermitteln, wieso der Täter derart ausgerastet ist».

Bürgermeister Gilg will sich an solchen Debatten nicht beteiligen. «Es ist ein dramatischer Einzelfall», sagte er. In Langweid am Lech überschattet dieser nun den Beginn der Sommerferien. Die Freiwillige Feuerwehr sagte am Samstag ihre große Brandlöschparty ab – Gilg zufolge ein Höhepunkt im Dorf, zu dem normalerweise 800 Gäste kommen. In den Gottesdiensten am Sonntag sei bereits der Opfer und ihrer Angehörigen gedacht worden, sagte er. Im Laufe der nächsten zwei Wochen soll es zudem einen ökumenischen Gedenkgottesdienst im Ort geben.

(Text: Irena Güttel, dpa)

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